1. Block Impulsforen

Mittwoch, 10.4.2019, 13.30 bis 15.00 Uhr

Wohnen I

Wie verhindern wir Wohnungsverlust und Verdrängung?

Ein geringes Angebot an bezahlbarem Wohnraum, eine hoher Nachfragedruck und ein unzureichendes Mietrecht führen vielerorts zur Verdrängung von insbesondere Menschen niedriger Einkommen und von Menschen in besonderen Bedarfslagen, aber auch von Haushalten mittleren Einkommens. Dabei gehen die prekären Wohnungsmarktlagen insbesondere zu Lasten von wohnungssuchenden Menschen.

Wir gehen im Forum den Fragen nach:
Welche wirksamen sozial-  und wohnungspolitischen Maßnahmen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit gibt es?
Wie entwickelt sich die Segregation in den Städten? Welche politischen und mietrechtlichen Maßnahmen können die Mietpreisexplosion verhindern und Mieter, soziale Träger und andere Einrichtungen vor Verdrängung schützen?

Referent*innen:

- Werena Rosenke, BAG Wohnungslosenhilfe
- Benjamin Raabe, Netzwerk Mieten und Wohnen

Moderation:

- Jennifer Puls, Der Paritätische

Altersarmut/Rente I

Die "Grundrente" - Ein Konzept gegen Altersarmut?

Die Bundesregierung will im Jahr 2019 eine "Grundrente" einführen. Mit ihr sollen Lebensleistung honoriert und Altersarmut bekämpft werden. Die "Grundrente“ soll eine Absicherung von zehn Prozent über der Grundsicherung gewährleisten. Sie soll unter anderem eine Bedürftigkeitsprüfung entsprechend der Grundsicherung voraussetzen und durch die Rentenversicherung administriert werden.

Diese relativ konkreten Festlegungen im Koalitionsvertrag dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viele Fragen offen sind:

- Welcher Personenkreis soll von der "Grundrente" profitieren?
- Sollte die "Grundrente" in der Rentenversicherung oder in der Grundsicherung verankert werden?
- Wie müsste eine "Grundrente" ausgestaltet sein, die ihren Namen verdient und einen wirksamen und systematischen Beitrag gegen Altersarmut leistet?  

Referent*innen:

Brigitte Loose, Deutsche Rentenversicherung
Dr. Ursula Engelin-Kefer, Sozialverband Deutschland
Joachim Rock, Abteilungsleiter Arbeit, Soziales und Europa, Der Paritätische Gesamtverband

Moderation:

- Ragnar Hoenig, AWO

Hartz IV/Arbeitsmarktpolitik I

Hartz IV überwinden – aber wie?

Die Mängelliste des Hartz-IV-Systems ist lang und betrifft die Wesensmerkmale der sogenannten Grundsicherung für Arbeitsuchende: Die Regelsätze bedeuten Armut und Ausgrenzung, Sanktionen unterhöhlen das Existenzminimum, „Fördermaßnahmen“ werden vielfach einseitig von den Jobcentern verordnet und Leistungsberechtigte in prekäre und niedrig entlohnte Arbeit gezwungen.

Leitfragen des Forums:
- Wie müsste eine grundlegend neu gestaltete Grundsicherung aussehen, die bedarfsdeckend und bürgerfreundlich ausgestaltet ist und Hilfsangebote bietet, die Perspektiven eröffnen? Diese Frage wollen wir exemplarisch am Konzept des Paritätischen Wohlfahrtverbandes diskutieren.

- Welche Änderungen sind besonders vordringlich, um den repressiven und Armut zementierenden Charakter des Hartz-IV-Systems zu überwinden?
- Mit welchen politischen Aktivitäten kann eine Umgestaltung des Hartz-IV-Systems vorangebracht werden?

Referent*innen:

Tina Hofmann, Der Paritätische Gesamtverband
Dr. Andreas Aust, Der Paritätische Gesamtverband

Moderation:

Daniel Adelani, DGB

Gesundheit: Armutsrisiko psychische Erkrankung – Eine Abwärtsspirale?

Psychische Störungen gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit, die die Lebensqualität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dies gilt im Besonderen auch für das Berufsleben. Psychische Störungen und Erkrankungen sind immer häufiger Ursache aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Drohende Erwerbslosigkeit und dadurch bedingte – auch finanzielle - Sorgen erhöhen den Druck auf die Betroffenen weiter. Eine Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf.
Nach einem einleitenden Impulsreferat und Statements der Podiumsgäste werden in einem moderierten Gespräch Fragen u.a. zur Eingliederung und Unterstützung diskutiert.
In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse der Diskussionen, besondere Hinweise und Forderungen an die Politik nochmals zusammengefasst.

Referent*innen:

Prof. Dr. Stefan Sell, Hochschule Koblenz
Ulrich Krüger, Geschäftsführer der Aktion psychisch Kranke (APK) (angefragt)
Joseph Schädle, Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychatrie

Moderation:

N.N.

 

 

Bildung

Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufbrechen - aber wie?

Vor gut einem Jahrzehnt rief die Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit den Ländern die "Bildungsrepublik Deutschland" aus. Seither sind durchaus Fortschritte im Bildungswesen zu verzeichnen. Mehr Menschen machen höhere Schulabschlüsse, bilden sich weiter oder studieren. Doch ein genauerer Blick zeigt: Längst nicht alle Menschen profitieren von dieser Entwicklung. Die soziale Spaltung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Bildungssystem. Der Geldbeutel bestimmt noch immer den Bildungserfolg. Die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss oder abgeschlossene Ausbildung steigt. Selbst bei gleicher  Leistung haben Kinder aus Arbeiterfamilien eine fast viermal schlechtere Chance auf den Besuch des Gymnasiums. Auch beim Zugang zur Kita, zur Hochschule und der Weiterbildung gilt das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf gesellschaftliche Teilhabe und die Chancen am Arbeitsmarkt. Langzeitarbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigung sind vorprogrammiert.

Leitfragen:
- Wie können Bund, Länder, Kommunen, Sozialpartner und Zivilgesellschaft die soziale Polarisierung im Bildungswesen überwinden?
- Wie muss eine gesellschaftliche Bildungsstrategie aussehen, die sich am Ziel der Chancengleichheit orientiert?

Referent*innen:

N.N.

Moderation:

N.N.

2. Block Impulsforen

Mittwoch, 10.4.2019 16.00 bis 17.30 Uhr

Europa

Europäische Mindestsicherung - Eine europaweite Antwort auf die Armut?

Mehr als 120 Millionen Menschen in der EU sind von Armut betroffen. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, diese Zahl bis 2020 um mindestens 20 Millionen zu verringern. Mit der Europäischen Säule sozialer Rechte erinnert sie zudem an das Ziel der EU, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung zu bekämpfen, beschränkt sich armutspolitisch jedoch auf einzelne Gruppen (Kinder, working poor).
In diesem Workshop soll ein konkreter Vorschlag für eine europäische Antwort auf Armut diskutiert werden: die Einführung europaweiter Standards für die Mindestsicherung.
 
Dabei sollen folgende Fragen diskutiert werden:
- Warum braucht es eine europäische Armutspolitik?
- Wie müssen Standards formuliert sein, damit sie den verschiedenen Niveaus der Mindestsicherung und den unterschiedlichen Sozialstaatsstrukturen in Europa gerecht werden?
- Welche Perspektiven gibt es, dass ein solcher Vorschlag politisch umgesetzt wird?

Der Impuls zur Diskussion kommt von einem wissenschaftlichen Beitrag über die mögliche Ausgestaltung einer europäischen Mindestsicherung. Anschließend folgen zwei politische Kommentierungen.

Referent*innen:
Input: Prof. Dr. Benjamin Benz, Evangelische Hochschule Bochum
Kommentare: N.N. & Anne Karras, Ver.di
Zusammenfassendes und ausblickendes Schlussstatement: Dr. Dominika Biegón, FES (angefragt)

Moderation:

Tilo Liewald, Der Paritätische

Teilhabe I

Ehrenamtliches Engagement als Chance für gesellschaftliche Teilhabe jenseits der Erwerbsarbeit?

Empirische Erhebungen wie der Freiwilligensurvey zeigen, dass in Armut lebende Menschen sich weniger häufig selbst ehrenamtlich engagieren und sich weniger politisch beteiligen. Auch im bürgerschaftlichen Engagement werden somit Mechanismen der Exklusion wirksam. Das bedeutet, dass Menschen mit niedrigem Einkommen und geringerer formaler Bildung weniger als andere soziale Gruppen von den Möglichkeiten der Partizipation, des informellen Lernens und des gemeinschaftlichen Miteinanders profitieren. Zugleich lässt sich feststellen, dass finanzielle Vergütungen im Engagement zwar die Voraussetzungen für in Armut lebende Menschen verbessern können, sich zu engagieren. Andererseits birgt „bezahltes“ Engagement immer auch die Gefahr der Monetarisierung des im Kern unentgeltlichen Engagements und damit der Beschädigung von Freiwilligkeit und Eigensinn. Zudem werden damit Grenzen hin zum Niedriglohnbereich aufgeweicht.

Vor diesem Hintergrund sollen im Impulsforum folgende Leitfragen diskutiert werden:

-Welche Chancen der Teilhabe bietet bürgerschaftliches Engagement gerade für Menschen, die von Ausgrenzung betroffen sind?

-Welche guten Beispiele für Selbstorganisation und Engagement gibt es? (z.B. Arbeitsloseninitiativen)

-Wo liegen die besonderen Hürden für Menschen in Armut, sich selbst zu organisieren? Wie können Zugänge verbessert werden?

-Welche rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Engagement zum Gewinn wird und zur Inklusion beitragen kann?

Referent*innen:

N.N.

Moderation:

N.N.

Teilhabe II

Unequal Democracy - Die parteipolitische Dimension sozialer Ungleichheit und politischer Beteiligungschancen

Ein zentrales Wesensmerkmal der Demokratie ist das Recht aller Bürger*innen, über Wahlen und politisches Engagement über die politische und soziale Ausrichtung eines Landes demokratisch mitzubestimmen. Neuere Studien legen jedoch nahe, dass sowohl die Teilnahme an Wahlen als auch die Wahrnehmung andere Formen politischer Partizipation nicht von allen sozialen Gruppen in der Gesellschaft gleichermaßen genutzt wird. Menschen, die von Armut betroffen sind, bleiben mit höherer Wahrscheinlichkeit der Wahlurne fern und verfügen auch bei anderen Beteiligungsformen seltener über die notwendigen Mittel, um auf politische Entscheidungen effektiv Einfluss zu nehmen. Trotz der gleichen politischen Rechte und Freiheiten aller Menschen auf dem Papier sind diese Freiheiten für ärmere Menschen schlechter verwirklicht. Dieser Befund stellt nicht nur das demokratische Gleichheitsprinzip in Frage, sondern wirkt sich auch darauf aus, wie soziale Themen im politischen Prozess berücksichtigt werden.

Vor diesem Hintergrund sollen im Impulsforum Wahlbeteiligung folgende Leitfragen mit politischen Expert*innen diskutiert werden:
- Wie hängen soziale Ungleichheit und politische Partizipation zusammen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Demokratie?
- Was bedeutet geringerer politischer Einfluss marginalisierter Gruppen für die sozial- und armutspolitische Ausrichtung von Parteien?
- Wie gelingt es, dass von Armut betroffene Menschen einen fairen Zugang und effektiven Einfluss auf politische Entscheidungen haben?

Referent*innen:

Prof. Thorsten Faas, FU Berlin

Jana Faus, Geschäftsführende Gesellschafterin bei der pollytix strategic research gmbh

Moderation:

Valentin Persau, Arbeiterwohlfahrt

Teilhabe III

Meinung, Macht und soziale Werte im Internet: Wie wir die Vielen für das Gute mobilisieren können.

Es sind mächtige Interessen(vertreter*innen), die dem Kampf gegen Armut und für mehr soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Umverteilung entgegenwirken. Durch exklusive Zugängen zu relevanten Entscheidungsträger*innen und ausgestattet mit finanziellen Ressourcen, von denen soziale Organisationen und Betroffeneninitiativen nur träumen können, werden Kampagnen mit riesiger Reichweite und Breitenwirkung gefahren und öffentliche Debatten – auch im Internet – zielgerichtet beeinflusst.

Aber: Womit soziale Organisationen, Initiativen und Betroffene gerade in der virtuellen Kommunikationsarena punkten können, sind Masse, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Durch die sozialen Medien sind neue Möglichkeiten der niedrigschwelligen, kurzfristigen Vernetzung und Selbstorganisation entstanden. Durch eine gezielte Mobilisierung im sozialen Bereich und der Selbsthilfe engagierter Menschen in die sozialen Medien können nicht nur Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch ortsungebunden organisiert, sondern vor allem Partizipation, Teilhabe und Interessenvertretung insbesondere auch bisher marginalisierter Gruppen gestärkt werden.

Leitfragen:
• Wie bilden sich aktuelle Machtverhältnisse in der Debatte um soziale Gerechtigkeit, Armut und Ausgrenzung in den sozialen Medien ab?
• Welche Möglichkeiten des Engagements und der Mobilisierung für eine offensive Sozialpolitik, gegen Armut und Ausgrenzung bieten soziale Medien?

Im Anschluss an die Impulse zur Einführung in die Thematik sollen Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Ideen erarbeitet werden, wie der Kampf gegen Armut auch in den sozialen Medien wirksam gestärkt werden kann.

Referent*innen:

N.N.

Moderation:

N.N.

Teilhabe IV

Von #Mietenwahnsinn bis #unteilbar - Das Soziale in solidarischen Netzwerken stärken

Sozialproteste auf den Straßen nehmen vielfältige Formen und Ausmaße an. Die Breiten der Themen und Akteurskonstellationen unterscheiden sich - trotz großer Überschneidungen - ganz erheblich. Die Beteiligung von unmittelbar Betroffenen ist unbestreitbar ein zentraler Faktor für Ausstrahlung, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der politischen Aktivitäten.

Wir möchten gemeinsam die Erfahrungen aus den Protestbewegungen teilen und versuchen, vielversprechende und nachhaltige Erfolgsstrategien für Proteste diskutieren, in denen sich die Belange von durch Armut Betroffenen und Bedrohten wiederfinden.

Leitfragen für die Diskussion:
- Welche Wirkung geht von eurem Protest aus, was kann man erwarten?
- Wie lässt sich Erfolg von Protesten überhaupt bemessen?
- Wie wird die Beteiligung von Betroffenen organisiert?
- Kann klassen- und milieuübergreifende Solidarität das Erfolgsrezept für politische Durchsetzungsfähigkeit sein?

Diskutant*innen:

- Anna Spangenberg, Bündnis #unteilbar
- Esther Borkam, Bündnis #Mietenwahnsinn stoppen
- Mario Neumann, Bündnis "We'll come United" (angefragt)
- Dr. Simon Teune, Institut für Protest- und Bewegungsforschung (angefragt)

Moderation:

Christian Weßling, Der Paritätische

3. Block Impulsforen

Donnerstag, 11.4.2019, 13.15 bis 14.45 Uhr

Wohnen II

Mehr bezahlbaren Wohnraum durch öffentliche Steuerung schaffen

Die Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit und der Rückgang an öffentlich gefördertem Wohnraum sind zentrale Faktoren, die zum Mangel an preiswertem Wohnraum beigetragen haben. Daneben ist der sozial gerechte Umgang mit Grund und Boden eine weitere zentrale Stellschraube, um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Vor diesem Hintergrund sollen in dem Workshop die Auswirkungen einer abnehmenden öffentlichen Wohnraumversorgung betrachtet werden.

Anschließend soll lösungsorientiert den Fragen nachgegangen werden:
- Welche politischen Weichenstellungen sind notwendig, um die öffentliche Steuerung in der Wohnraumversorgung mit dem Ziel zu erhöhen, mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen?
- Wie kann der Einfluss der Kommunen auf die bezahlbare Wohnraumversorgung gestärkt werden und welchen Forderungen müssen Bund und Ländern nachkommen?

Referent*innen:
- Inga Jensen, Bauhaus-Universität Weimar
- Ricarda Pätzold, Deutsches Institut für Urbanistik

Moderation:

- Jennifer Puls, Der Paritätische

Altersarmut/Rente II

Armut im Alter - Sozialräumliche Erkenntnisse und Antworten auf verdeckte Armut und Exklusion

Ehrenamtliche und Mitarbeiter*innen in sozialwirtschaftlichen und karitativen Einrichtungen vor Ort machen in letzter Zeit vermehrt die Beobachtung, dass die Altersarmut steigt. Häufiger als zuvor stehen ältere Menschen Schlange in den Tafeln oder sind auf zusätzliche soziale Angebote angewiesen, um über die Runden zu kommen. Trotz sozialpolitischer Ansprüche und sozialer Infrastrukturen vor Ort, werden viele betroffene ältere Menschen noch nicht ausreichend erreicht und versorgt, sie sind von verschiedenen Dimensionen verdeckter Armut betroffen. Neben einer materiellen Unterversorgung bleibt die soziale und kulturelle Teilhabe oft auf der Strecke - Exklusion und Vereinsamung sind die bittere Folge. Dabei haben viele der betroffenen älteren Menschen eigentlich einen Anspruch auf zusätzliche wohlfahrtsstaatliche Leistungen. Jedoch werden aus Scham, Exklusion oder Unwissenheit diese Ansprüche zu oft nicht wahrgenommen.

Dieses Impulsforum möchte sozialräumliche Fragen der verdeckten Altersarmut aufwerfen und mit Expert*innen aus Theorie und Praxis diskutieren:
- Welche Erfahrungen mit verdeckter Altersarmut machen die davon betroffenen Menschen im Alltag und wie kann politische Aufmerksamkeit für diesen Aspekt der Armut geschaffen werden?
- Welche Strukturen und Projekte gibt es vor Ort, um verdeckte Altersarmut in seinen unterschiedlichen Dimensionen aufzudecken und wirksam zu bekämpfen?

Referent*innen:

- Claudia Lautner, Seniorenberatung Brühl
- N.N., BAGSO (angefragt)
- N.N., Tafel Deutschland (angefragt)

Moderation:

Anna Droste-Franke AWO/NAK

Hartz IV/Arbeitsmarktpolitik II

Perspektiven jenseits des Hartz-IV-Bezugs

Ein Teil der sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher*innen ist in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, deren erklärtes Ziel die Integration in den Arbeitsmarkt ist, „falsch“ abgesichert – beispielsweise die 570.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Aufstocker. Andererseits gelingt arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher*innen viel zu selten ein Ausstieg aus dem Leistungsbezug, vor allem weil ein Fördern mit Perspektive durch die Jobcenter kaum stattfindet.

In diesem Forum sollen Ansätze diskutiert werden, wie für bestimmte Personengruppen wie etwa Geringverdienende oder prekär Beschäftigte ein Hartz-IV-Bezug vermieden bzw. der Bezug überwunden werden kann. Im Fokus stehen dabei konkrete Reformvorschläge, mit denen das Wohngeld und der Kinderzuschlag zu wirksamen „Schutzschildern“ gegen einen Hartz-IV-Bezug ausgebaut werden sollen sowie Vorschläge für eine solidarische und sozialinvestive Arbeitsmarktpolitik (Sozialer Arbeitsmarkt, Weiterbildungsangebote u.a.m.), die Übergänge in gute Arbeitsplätze befördert.

Referent*innen:
Petra Kaps, Zentrum für Evaluation und Politikberatung, Berlin
Martin Künkler, Deutscher Gewerkschaftsbund, Abteilung Arbeitsmarkpolitik

Moderation:

N.N.

Pflege

Pflege und Armut - Ursachen und Alternativen

Pflege ist überwiegend ein Altersrisiko und daher ein Altersarmutsrisiko. Die Absicherung im Pflegefall bleibt ein Sorgenkind der Deutschen. Trotz vieler Pflegereform - auch zugunsten einer geförderten privaten Vorsorge - fordern 71 Prozent der Bevölkerung ein stärkeres Engagement der Politik. Gerade in Pflegeheimen ist die Abhängigkeit von Sozialhilfe mit 30 % besonders ausgeprägt und sie wird ohne gezielte Gegensteuerung angesichts steigender Kosten und sinkender Alterseinkünfte stark zunehmen.

Schwierig gestaltet sich die Vereinbarkeit von Pflegeaufgaben und Beruf: Rund ein Drittel der Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter hat die Arbeitszeit im Job reduziert; 44 Prozent dieser Gruppe sind gar nicht erwerbstätig – das ist ein überdurchschnittlicher Wert. Die Pflegenden riskieren damit, im Alter selber mit wenig Geld dazustehen.

Noch wiegelt die Politik ab. Ein systematischer Überblick über die finanzielle Situation und die Lebensbedingungen von Menschen mit Pflegebedarf und ihren Angehörigen fehlt aufgrund der unübersichtlichen und lückenhaften Datenbasis - gerade im ambulanten Bereich.

Zudem stellt sich die Frage, wie überhaupt in der Zukunft menschenwürdige Pflege geleistet werden kann, wenn Pflegekräfte ihrem Beruf den Rücken kehren und zu wenig neue Pflegekräfte gewonnen werden können. U.a. der DGB-Index Gute Arbeit zeigt die überaus hohen Arbeitsbelastungen von Pflegekräften. Hohe psychische und physische Belastungen sind in der Alten- und in der Krankenpflege an der Tagesordnung. Im Ergebnis können sich nur 22 Prozent der Pflegebeschäftigten vorstellen, ihre Tätigkeit unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente ausüben zu können.

Leitfragen & Impulse:
Wie stellt sich heute und perspektivisch die finanzielle Situation Pflegebedürftiger, pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender dar - welche Entwicklung haben die Eigenanteile genommen? Wie haben sich die Finanzen der Pflegeversicherung entwickelt und was sind die Ursachen?
Wie stellen sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege dar? Reicht es aus, wenn bessere Löhne gezahlt werden bzw. was sind weitere Maßnahmen?
Können erhebliche Verbesserungen der Arbeitsbedingung in der Pflege überhaupt von Pflegebedürftigen bezahlt werden? Welche Alternativen sind denkbar und was muss politisch getan werden?

Referent*innen:

Prof. Dr. Heinz Rothgang, Universität Bremen
Marco Frank, Deutscher Gewerkschaftsbund, Referatsleiter für Gesundheitspolitik und Pflegeversicherung

Moderation:

Thorsten Mittag, Der Paritätische

Familie

Familie 2030 - Zukunft ohne Armut?!

Wir wagen einen Sprung ins Jahr 2030: Die Vereinten Nationen haben sich in ihrer Agenda 2030 darauf verständigt, dass Armut in jeder Form und überall auf der Welt beendet sein soll. Deutschland steht zwar heute im internationalen Vergleich gut da, was die Versorgung der Grundbedürfnisse und damit die absolute Armut anbelangt. Anders sieht es jedoch aus, wenn man die relative Armut betrachtet.

Nach wie vor wächst jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf. Diese Kinder erleben materiellen Mangel ebenso, wie sie in ihrer Teilhabe am soziokulturellen Leben beschnitten sind.  Ausgrenzung und soziale Deprivation sind die Folgen.

Unsere Forderung lautet deshalb: Kinderarmut muss in Deutschland im Jahr 2030 der Vergangenheit angehören. Was ist hierzu notwendig und wer sorgt dafür? Wie wird die Familienförderung im Jahr 2030 aussehen?

Wir diskutieren unser Zukunftsszenario mit Politiker*innen und dem Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes.

Input und Diskutant*innen:

Dagmar Schmidt, MdB SPD
Matthias Seestern-Pauly, MdB FDP
Katja Dörner, MdB Bündnis90/Die Grünen
Katja Kipping, MdB DIE LINKE
Marcus Weinberg, MdB CDU/CSU
Heinz Hilgers, Deutscher Kinderschutzbund

Moderation:

Marion von zur Gathen, Der Paritätische Gesamtverband