21.03.2016

Wenig Chancen auf Beschäftigung für Langzeitarbeitslose

Mit Hartz IV sollten insbesondere die Eingliederungschancen von Langzeitarbeitslosen verbessert werden. Doch auch über zehn Jahre nach Errichtung dieses neuen ‚Fördersystems‘ ist die Langzeitarbeitslosigkeit höher als in vielen anderen Industrieländern. Wer arbeitslos wird, bleibt es oftmals auch für längere Zeit und hat sehr schlechte Chancen auf einen Job.

Von: Dr. Wilhelm Adamy
Beim Scrabble-Spiel lässt sich mit Hartz IV punkten. Foto: DGB

Beim Scrabble-Spiel lässt sich mit Hartz IV punkten. Foto: DGB

Knapp zwei Mllionen Arbeitslose sind aktuell auf Hartz IV angewiesen. Fast die Hälfte davon ist länger als ein Jahr ohne Arbeit. Innerhalb eines Monats finden nur etwa 45.000 einen sozialversicherten Job und davon nur gut 40 Prozent einen Job, der zumindest befristet aus Hartz IV herausführt. Kurzzeitarbeitslose haben etwa siebenmal höhere Beschäftigungschancen als Langzeitarbeitslose und wenn, dann häufig nur in der Leiharbeit.

Die Hartz-Gesetze haben die „Spielregeln am Arbeitsmarkt“ verändert und fördern instabile und schlecht bezahlte Arbeit. Die Chancen von Langzeitarbeitslosen einen Job zu finden, sind in den letzten Jahren sogar gesunken, und heute deutlich niedriger als zum Beispiel noch in den Jahren 2007/08 oder auch 2010/11.

Das politische Versprechen der Hartz-Gesetze, die Eingliederungschancen von Langzeitarbeitslosen zu verbessern, wurde bis heute nicht eingelöst. Auch der erhöhte Druck auf Arbeitslose hat daran nichts geändert. Der Mindestlohn gilt nicht für vormalige Langzeitarbeitslose. Sogar eine Bezahlung bis an die Grenze der Sittenwidrigkeit gilt im ersten halben Jahr immer noch als zumutbar. Als sittenwidrig haben Gerichte Löhne, die ein Drittel unter Tarif beziehungsweise dem in der Region üblichen Lohn liegen, als unangemessen befunden.

Obwohl Langzeitarbeitslose besonders auf arbeitsmarktpolitische Förderung angewiesen sind, hat die vormalige Bundesregierung die finanziellen Fördermittel massiv zusammengestrichen. Die Chancen auf arbeitsmarktpolitische Förderung sind für die auf Hartz IV angewiesenen Langzeitarbeitslosen nur halb so hoch wie noch 2008 oder 2011. Mit der Kürzung der Fördermittel trägt der Bund zur Verhärtung der Arbeitslosigkeit und zur Verschärfung sozialer Armutslagen bei. Je länger Menschen arbeitslos sind oder nur vorübergehende und schlecht bezahlte Arbeit finden, umso eher entstehen finanzielle und soziale Notlagen, die aus eigener Kraft allein nur schwer überwunden werden können. Mehr staatliche Hilfe ist überfällig.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Langzeitarbeitslose im Hartz-IV-System haben geringe Beschäftigungschancen. http://www.dgb.de/-/eRt


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