10.05.2017

Jugendliche und junge Erwachsene besonders von Armut bedroht

Die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen sowie der jungen Erwachsenen steigt seit Jahren an. Vor diesem Hintergrund braucht es eine nachhaltige Strategie zur Bekämpfung von Armut. Dabei sind alle Dimensionen von Armut in den Blick zu nehmen, alte Pfade in der Bekämpfung von Armut kritisch zu reflektieren und konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln.

Von: Marion von zur Gathen und Jana Liebert
Bild: jobhopper-Fotolia.com

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Grundsätzlich haben alle jungen Menschen ein Recht darauf, in sozialer Sicherheit aufzuwachsen und zu leben. Maßstab hierfür ist die Umsetzung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Ungeachtet dessen sind es gerade Jugendliche sowie die jungen Erwachsenen, die in Deutschland besonders stark von Armut bedroht sind - 2015 galten rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren als arm.

In der Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen traf das sogar auf jeden vierten jungen Erwachsenen zu. Diese Aussage trifft selbst dann zu, wenn man berücksichtigt, dass ein Viertel der jungen Erwachsenen Auszubildende und Studierende sind, die zwar selbst über wenig Einkommen verfügen, aber aus wohlhabenden Haushalten stammen und daher die Zeit, in der sie als arm angesehen werden müssen, oft nur eine vorübergehende Episode in ihrem Leben darstellt. Aber selbst wenn man diesen Umstand berücksichtigt, erklärt das noch nicht den Anstieg der Armutsbetroffenheit von jungen Erwachsenen.

Die Ursachen hierfür sind u.a. in einer geringen Qualifikation, Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung zu finden: Die schulische Bildung ist für Jugendliche und junge Erwachsene ein wichtiges Startkapital – ungeachtet dessen verfügten 2015 rund 3,7 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren über keinen entsprechenden Schulabschuss, 16,8 Prozent waren ohne beruflichen Bildungsabschluss oder befanden sich in einer schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahme.

Wer in Armut aufwächst, hat es schwerer

Dabei gilt auch weiterhin der Befund: wer in Armut aufwächst, hat es schwerer. Diese Pfadabhängigkeit erschwert den individuellen sozialen Aufstieg enorm. Denn Jugendliche ohne einen entsprechenden Schulabschluss oder lediglich mit einem Hauptschulabschluss haben auf dem Ausbildungsmarkt deutlich schlechtere Chancen. Höhere und mittlere Abschlüsse hingegen gewinnen weiter an Bedeutung. So verengen sich die beruflichen Optionen für diejenigen, die mit einem geringen Abschluss die Schule verlassen.  Gleichzeitig ist ihr Niedriglohnrisiko besonders hoch. So verfügten gering Qualifizierte mit gut 43 Prozent in 2014 über ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als alle Beschäftigten mit knapp 23 Prozent. Schon diese wenigen Zahlen machen deutlich, dass bereits ein Scheitern im Schulsystem einen faktischen Ausschluss von einem regulären Ausbildungsverhältnis sowie im weiteren Verlauf vom Eintritt in ein Normalarbeitsverhältnis implizieren kann und damit auch eine Existenzsicherung unabhängig von Transferleistungen und Armutslagen.

Daher sollte die Aufmerksamkeit auf die jungen Menschen gelenkt werden, die in der Schule besondere Förderung benötigen oder die Schule ohne Abschluss verlassen, wo der Übergang in Ausbildung und Beruf nicht gelingt und kein beruflicher Bildungsabschluss erreicht werden kann. Gefordert sind hier alle Ebenen – Bund, Länder und Kommunen. Bei den Lösungsansätzen müssen die Qualität von Bildungsprozessen genauso berücksichtigt werden, wie die Kooperation zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen und den Übergangssystemen von Schule in das Berufsleben sowie Fort- und Weiterbildung. Nur so kann das Recht jedes Kindes, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Bildung und Chancengerechtigkeit auch tatsächlich umgesetzt werden. Das Ziel, Chancengerechtigkeit in der Bildung und im Zugang zur Berufsausbildung zu erreichen, muss stärker verfolgt und die hierfür notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Das ist umso bedeutender, wenn Kinder und Jugendliche in Armut aufwachsen.

Lesen Sie hier den gesamten Aufsatz „Den Blick schärfen! – Armut von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“.


Kommentare (1)

  1. Elisabeth Wirthensohn
    Elisabeth Wirthensohn am 10.05.2017
    Leider arbeiten Schulen z.B. mit Jugendamt seit Jahrzehnten zu wenig zusammen. Jugendamt sagt: Elternverantwortung soll gestärkt werden, man solle z.B. trotz Behinderung selbst zum Elternabend gehn. Jugendamt drückt sich auch davor eine 17 jährige, die sich in Trainingswohnung befindet über stationäre Jugendhilfe, sich wegen alkoholkranken Papas extern an Träger von Suchthilfe zu wenden, statt Hilfe für junge Leute aus einer Hand zu geben. Behinderte Elternteile mit Depressionen, laufen gefahr, dass man das Sorgerecht entzogen bekommt, wenn man zugibt, dass es einem schlecht geht. Aufsuchende Sozialarbeit gibt es seitens der Jugendämter viel, viel zu wenig, auch für Eltern für deren Kinder eine Erziehungsbeistandschaft auf Antrag der Eltern läuft. Schule arbeitet viel zu wenig mit dualem System in Berufsausbildung und der freien Wirtschaft zusammen. Jeder Landkreis kann seine Schulpolitik, Übergänge zu ausbildung, gestalten wie er möchte. Behinderte Eltern haben es sehr sehr schwer.

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