01.04.2016

Mehr ältere, schwerbehinderte Arbeitslose im Hartz IV-Bezug

Für schwerbehinderte Menschen sind die Risiken am Arbeitsmarkt besonders hoch. Sie sind häufiger arbeitslos und besonders von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht. Im Hartz IV-System ist der Anteil älterer, schwerbehinderter Menschen in den letzten Jahren angestiegen. Dies trotz relativ günstiger Arbeitsmarktlage und erhöhtem Fachkräftebedarf.

Von: Silvia Helbig
Die Zahl der schwerbehinderten Menschen wächst kontinuierlich. Foto: Flickr/(CC BY 2.0)

Die Zahl der schwerbehinderten Menschen wächst kontinuierlich. Foto: Flickr/(CC BY 2.0)

Insgesamt ist die Zahl der arbeitslosen Menschen im Hartz-IV-System in den letzten Jahren leicht gesunken. Allerdings haben von dieser Entwicklung nicht alle Personengruppen profitiert. Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen ist in den letzten Jahren von 104.000 in 2008 auf 112.000 in 2014 angestiegen. Diese Entwicklung beruht hauptsächlich auf einem Anstieg bei den über 55-Jährigen. Ihre Zahl ist von 20.000 auf 32.000 angewachsen, bei den jüngeren Altersgruppen ist sie in der Tendenz rückläufig. Damit hat sich der Anteil der Älteren unter den schwerbehinderten Arbeitslosen von 19 auf 29 Prozent deutlich erhöht. Im Vergleich dazu: Der Anteil der Älteren im Hartz IV System hat sich seit 2008 ebenfalls erhöht, allerdings in etwas geringerem Umfang, von 11 auf 16 Prozent. Die Zahl der älteren Schwerbehinderten in Hartz IV wächst absolut und anteilsmäßig - ein deutlicher Negativtrend.

Zwar hat und wird sich weiterhin der Anteil der älteren und schwerbehinderten Menschen an der Bevölkerung aufgrund des demografischen Wandels erhöhen, der Anstieg im Hartz-IV-System geht jedoch klar über aktuelle Trends hinaus.

Wird jemand arbeitslos, ist eine Schwerbehinderung ein deutliches Vermittlungshemmnis. In allen Altersgruppen sind prozentual mehr Schwerbehinderte länger als 12 Monate arbeitslos als nicht Schwerbehinderte. Kommt zu der Schwerbehinderung ein höheres Alter, sind die Chancen nach Job-Verlust auf eine neue Beschäftigung äußerst gering. Für die über 55-Jährigen gilt - ob schwerbehindert oder nicht - mehr als die Hälfte ist länger als ein Jahr arbeitslos.

Da längere Arbeitsunfähigkeitszeiten die Arbeitslosigkeit genauso unterbrechen wie die Teilnahme an Maßnahmen, ist bei ehrlicher Betrachtung der Anteil der Personen, die langzeitarbeitslos sind, weil sie längere Zeit kein Beschäftigungsverhältnis hatten, noch höher, als durch die Statistik abgebildet. 

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, durch den der Anteil der älteren und damit häufiger auch behinderten Menschen zunehmen wird, braucht es Konzepte, wie diese Zielgruppe besser in Beschäftigung gehalten und auch wieder in Beschäftigung integriert werden kann.

Hier sind zum einen die Unternehmen gefordert, Potenziale besser zu erkennen und zu fördern. Schwerbehinderte Arbeitslose sind oftmals gut qualifiziert. Ältere Beschäftigte verfügen meist über langjährige Berufserfahrung. Eine Behinderung muss keinen Einfluss auf die Arbeitsleistung haben. Aber auch in der Arbeitsvermittlung und Arbeitsförderung muss gehandelt werden, um eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben zu gewährleisten.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier in arbeitsmarktaktuell.


Kommentare (2)

  1. Milly
    Milly am 01.04.2016
    Kann ich nur bestätigen...auf dem Papier schwerbehindert, gut qualifizierz, allerdings erst 30 und langzeitarbeitslos. Nichtmal Zeitarbeit oder Putzjobs haben Interesse. Da muss Deutschland noch ordentlich nachziehen.
  2. ROMY
    ROMY am 11.05.2016
    Die Firmen wollen nur junge Mitarbeiter die sehr Belastbar sind u. mit einem geringen Lohn abgespeist werden können.Ältere Behinderte kommen für die Firmen garnicht in Frage,auch nicht mit Lohnzuschüßen vom Staat.
    Ich musste es erleben wie ich als Behinderte von Infineon Dresden erst über Jahre gemobbt wurde u. als man mich garnicht loswurde das Integrationsamt angelogen wurde damit sie der Kündigung zustimmen.Das Integrationsamt wusste das es angelogen wurde da der BR seine Meinung dazu schrieb.Aber auch eine Behörde beugt sich den Wünschen der Wirtschaft u. wagt nicht zuwiedersprechen.Somit bin ich nun nach 19
    Jahren bei Infineon u. mit einem alter von 54 Jahren Arbeitslos.Da ich alleinstehend bin ab nächsten Jahr Hartz4 Empfänger.

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