03.03.2017

Armutsbericht 2017: Das sagt die Presse

Vergangene Woche hat der Paritätische Gesamtverband seinen jährlichen Armutsbericht der Öffentlichkeit präsentiert. Ein wichtiges Ergebnis: Armut in Deutschland ist auf einem neuen Höchststand. Die Reaktionen darauf fielen wie jedes Jahr unterschiedlich aus.

Von: Janina Trebing
Die Podiumsgäste auf der Pressekonferenz zum Armutsbericht (v. l. n. r.): Dr. Wolfram Friedersdorff (Volkssolidarität), Cordula Lasner-Tietze (Deutscher Kinderschutzbund), Ulrich Schneider (Der Paritätische Wohlfahrtsverband - Gesamtverband), Werena Rosenke (BAG Wohnungslosenhilfe) und Erika Biehn (Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bundesverband e.V.)

Zeit Online

"Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder", sagt Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. Das Ruhrgebiet und Berlin seien besonders betroffen. In Ostdeutschland jedoch geht die Armutsgefährdung laut der Studie zurück. In den meisten westdeutschen Bundesländern sei sie dagegen gestiegen.

Wie arm sind die Deutschen?

ZDF Morgenmagazin

Der Trend geht zur Armut: Trotz wirtschaftlich guter Lage sind 12,9 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, so der neue Armutsbericht der Wohlfahrtsverbände. Was aber heißt "arm"? Über die Definition ist wieder mal eine heiße Debatte entbrannt.

Studie: Armut in Deutschland auf neuem Höchststand

rbb Aktuell

 

Von 2014 auf 2015 ist der Anteil der Armen in der Hauptstadt um 12 Prozent auf 22,4 Prozent gestiegen - die höchste Zunahme bundesweit. Mit Ausnahme des Vorjahres stieg das Armutsrisiko damit in Berlin seit 2006 kontinuierlich. Nur in Bremen liegt die Quote mit 24,8 Prozent noch darüber.

"Berlin ist eine armutspolitische Problemregion"

Deutsche Welle

 

Wann ist in Deutschland jemand arm? Wenn es am Monatsende nur noch Nudeln, und das im Preis um die Hälfte reduzierte Brot vom Vortag zu essen gibt? Wenn ein Kind sein einziges Paar Schuhe weiter tragen muss, obwohl sie nicht mehr passen? Wenn ein Rentner Pfandflaschen in Mülltonnen sucht? Wenn ein Mensch obdachlos ist und unter Brücken schlafen muss? Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes bringen solche Fragen in Rage. Seit einiger Zeit werde "sehr unverblümt der Versuch unternommen, Armut auf Elend zu reduzieren". Eine Definition, die er auf keinen Fall gelten lassen will.

Armes, reiches Deutschland

Deutsche Welle

 

Beitrag auf Englisch mit Christian Woltering

Die Welt/N24

Die Sozialverbände kritisierten, dass das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre nicht zu einem Rückgang der Armutsquote geführt habe. Der Trend zur gesellschaftlichen Spaltung lasse sich schon länger beobachten. Im Jahr 2006 lag die Armutsquote noch bei 14 Prozent, also deutlich niedriger als 2015.

Armutsbericht zeichnet schlimmstes Bild seit 25 Jahren

Spiegel Online

Besonders gefährdet, unter die Armutsgrenze zu fallen, sind dem Bericht zufolge Alleinerziehende. Mit 43,8 Prozent gehören sie neben Erwerbslosen (59 Prozent), Ausländern (33,7 Prozent), Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau (31,5 Prozent), Menschen mit Migrationshintergrund (27,7 Prozent) und Familien mit drei oder mehr Kindern (25,2 Prozent) zu den Risikogruppen.

Deutschland wird flächendeckend ärmer

Deutschlandradio Kultur

"Es ist ja ein zentraler Befund, der ja auch im Moment heiß diskutiert wird, dass bei allen Rekordergebnisse der Wirtschaft immer weniger Menschen an diesen Rekorden teilhaben. 40 Prozent in Deutschland sind von der Wohlstandsentwicklung mittlerweile abgekoppelt, haben daran keinen Anteil mehr und leben von der Hand in den Mund.", sagt Ulrich Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

"40 Prozent sind vom Wohlstand abgekoppelt"

Focus Online

 

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Ulrich Schneider, verteidigte den Maßstab indessen gegen Kritik. Armut dürfe nicht auf rein existenzielles "Elend" reduziert werden, sagte er am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Sie beginne bereits dort, wo Menschen aus finanzieller Not von ganz normalen Aktivitäten ausgeschlossen würden und am Leben einer Gesellschaft nicht mehr teilhaben könnten. Dies drücke die 60-Prozent-Schwelle gut aus.

Neuer Höchstand erreicht: Die Deutschen werden immer ärmer

Süddeutsche Zeitung

Drastisch ist die Entwicklung seit 2005 vor allem für ältere Menschen. Rentnerinnen und Rentner gelten inzwischen als Risikogruppe. Ihre Armutsquote stieg um 49 Prozent von 10,7 auf 15,9 Prozent. Laut Professor Rolf Rosenbrock, dem Vorsitzenden des Paritätischen, wirkt sich Armut im Alter auch auf die Gesundheit aus. In einem Beitrag, den er gemeinsam mit Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut verfasst hat, schreibt er, dass wohlhabende Menschen etwa zehn Jahre länger leben als arme. Bei Männern reiche die Lebenserwartung von 70,1 Jahren bei jenen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens bis hin zu 80,9 Jahren bei jenen mit 150 Prozent des mittleren Einkommens.

Risikogruppe Rentner 

Handelsblatt

Die vergangenen Monate haben dem Mann zugesetzt. Kochen fiel flach, warmes Wasser hatte er nicht – er lebte ohne Strom. Die Scham ist immer noch groß. „Man sieht keine Auswege“, erzählt er. Der Aachener ist keine Ausnahme. Mehr als 331.000 Menschen in ganz Deutschland wurden zuletzt innerhalb eines Jahres der Strom gesperrt – eine stille, aber drastische Folge von Armut.

Ein Leben ohne Strom

Der Tagesspiegel

Während hierzulande das Bruttoinlandsprodukt seit Jahren wächst, die Reallöhne 2016 das dritte Jahr in Folge gestiegen sind und der Staat wegen guter Konjunktur und hoher Beschäftigung im vergangenen Jahr einen Überschuss von 23,7 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, sind laut aktuellem Armutsbericht von zehn Sozialverbänden fast 13 Millionen Bundesbürger von dieser Entwicklung abgehängt und gelten als arm.

Der Wohlstand steigt, die Armut auch

NDR

"Das Alter wird in Hamburg immer stärker zum Armutsrisiko, da in den kommenden Jahren viele ins Rentenalter kommen, die in ihrem Berufsleben nicht viel verdient haben", sagte Joachim Speicher, Geschäftsführer des Verbandes. Für sie gebe es kaum Hoffnung auf Besserung. "Umso mehr müssen die Bundesregierung und der Hamburger Senat für eine Rentenreform und dauerhafte Beschäftigung vor allem für Langzeitarbeitslose eintreten", sagte Speicher.

Armutsrisiko trifft vor allem Rentner

MDR

Der Paritätische forderte ein energisches Einschreiten des Staats, um die Armutsentwicklung umzukehren. Es sei Zeit für einen "sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel". Es müsse Veränderungen in der Steuer- und Finanzpolitik geben. Zudem müssten Maßnahmen beim Wohnungsbau, in der Arbeitsmarktpolitik und beim Ausbau sozialer Dienste her. "Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Ulrich Schneider.

Armut auf neuem Höchststand

Tagesschau

Der Untersuchung zufolge haben arme Männer eine Lebenserwartung von 70,1 Jahren, wohlhabende Männer von 80,9 Jahren. Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 Jahren und 85,3 Jahren. Und die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, so der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Professor Rolf Rosenbrock, gegenüber der ARD-Sendung Panorama: "Die Lebenserwartung steigt für die wohlhabenden Menschen in jedem Jahr stärker als für die ärmeren Menschen und deshalb vergrößert sich der Abstand."

Reiche leben bis zu zehn Jahre länger

Frankfurter Allgemeine

Das von der SPD-Politikerin Andrea Nahles geführte Bundesarbeitsministerium hat den Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes kritisiert. „Die Fokussierung auf die Armutsrisikoquote ist verkürzt“, erklärte die Behörde. (...) Gleichwohl erklärte das Ministerium: „Dass die Armutsrisikoquote zuletzt gestiegen ist, ist keine neue Erkenntnis.“

Nahles-Ministerium zweifelt Armutsbericht an


Kommentare (5)

  1. Willi Löhr
    Willi Löhr am 21.03.2017
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Politik ignoriert den neuen Demografiewandel ,pardon den Gesellschaftswandel und Frau Nahles seit 2012 die biopsychosoziale Prävention im Quartier für 17 Dörfer, 18.000 Menschen und 1.200 Nöte pro Jahr.
    Mit fatalen Folgen für unsere Generationen "Jung und Alt" bis 2020 und 2030 unsere Enkelkinder bis zu den Urenkel 2050 zu realisieren. Gesellschaft -Fortschritt im WIR?!

    Selbst die guten, sozialen Vorgaben der Friedrich Ebertstiftung "Gesetzesänderung" um Daseinsversorgung und GEMEINWOHL FÜR UNSERE GENERATIONEN ZU GEWÄHRLEISTEN werden nicht verarbeitet oder beachtet. In Generationen hinein denken, bis zu den Ur-,Urenkel, dass ist wahrer Partizipation-Respekt, Wertgefühl und Anerkennung für den Nächsten, für meinen Nachbarn.
    Wir sind doch alle Nachbarn?
    Man schweigt und ignoriert den Wandel, geforderte Veränderungen und die massiven biopsychosozialen Störfelder. Resultat:"Armut" steigt in der politischen verarmten sozialen Kultur ständig an.
    Kommunale,soziale, gesundheitliche und präventologische Prävention zu realisieren. Verneint eine Ministerin und eine Sozialministerin in Rheinland -Pfalz seit 2010. Schriftlich akribisch dokumentiert, mit einem Kommunenpräventologen überfordert......oder nur biopsychosozialen Prävention eine Quartiersüberforderung??!

    http://partizipendium.de/politik-und-glaubwuerdigkeit/

    Wandel braucht Bildungskultur über Ausbildungs- bis zur Weiterbildungs- für kommunale, gesundheitliche und präventologische Quartiere eine neue Verantwortung......Man kann doch lesen, spüren und ahnen, was "Quartiere" wirklich brauchen. Was der Mensch fühlen will...Endlich leben!
    Man badet im alten, maroden Demografiewandel, wie in der unsicheren Prävention der Volkskrankheiten. Auf der Strecke bleiben die Niedriglöhne - Bezieher(8.50 Euro ein Hohn) mit drei Jobs zu überleben, die sozial Geschwächten (Seniorenarmut, mit Krankheit gebeutelte Menschen, mit alten Gesetze konfrontiert(siehe Energiearmut mit Duldungspflichten)

    www.fensterzumleben.org/
    http://www.fensterzumleben.org/es-ist-zeit-etwas-zu-veraendern/index.html
    http://www.fensterzumleben.org/das-konzept-ab-2014/wer-soll-das-bezahlen/index.php

    Gemeinwohl, Partizipieren als Respekt, Werte und Daseinsversorgung in der Nachbarschaftskultur bis 2020, wird wie ein "Fremdkörper" seit einem Jahrzehnt behandelt . 2020?2030? Ein Samenkorn für PEGIDA bis ...........
    Wir brauchen Mut,Vision und eine LiGmA -Leben in Gemeinschaft mit Allen.
    Ist das schwer, es auch praktisch umzusetzen? siehe Links....
    Transparenz, Offenheit und Potenziale für 16 Millionen Senioren 2020 endlich als Ressource zu sehen.
    https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Demographie&f_autor=10791_Willi+L%C3%B6hr

    Wer Lebenszeit nicht als Lebenssinn betrachtet, wird auch den Demographiewandel als Lebensprozess nicht erkennen. Demographiewandel, das heißt Gesellschaftswandel, braucht Zeit und Lebensführung mit Herz.

    © Willi Löhr
    (*1954), Demografieexperte, Präventologe
    Weitere Armut macht krank und vernachlässigt das gewünschte soziale und gesunde Quartier.
    Wer Störfelder im Schweigen sterben lässt, verletzt die Menschenrechte und das Recht , Gesundheit für Alle in der Ottawa -Charta in "Quartiersposition" gesetzt.
    Werden wir in Integrationsvorgaben bis 2020 und mit Inklusionspapiere bis 2050 zu Heuchler, nur für Imagegeschwätz von Banken und Politik? Wir nennen es "Profilgehabe" ohne Wirkung im Quartier....
    Ich werde Herrn M.Schulz gern begleiten in den biopsychosozialen Störfelder, denn "biopsychosoziale Prävention" haben seine Anhänger seit 2010 ignoriert und seine "Antwort" steht noch aus!
    Mit freundlichen Grüßen
    Willi Löhr
    (aus Datenschutzgründen haben wie die Adresse gelöscht - Anmerkung Redaktion)
    Referent für soziale Städte,gesunde Dörfer und
    demografischer Wandel im Quartier.
  2. Ulrich Meyer
    Ulrich Meyer am 13.04.2017
    Frau Merkel und ihre CDU ignorieren die Armut und das Asyl- und Flüchtlings
    Elend!!! Die Deutschen werden für dumm verkauft!!!
  3. J.- M. Schulz
    J.- M. Schulz am 22.04.2017
    Das Problem ließe sich leicht lösen, wenn man denn nur endlich - neben ein paar anderen flankierenden Maßnahmen - die Abgeltungssteuer in der Weise abschaffen würde, daß die Einkünfte aus Kapital und Vermögen wieder der Einkommenssteuer unterliegen. Und wenn endlich bei der Einkommenssteuer ein Tarif mit nichtlinearer Progression eingeführt werden würde. Das Wurzelmodell und das Logarithmenmodell sind (dem Bundestag) schon seit 1997 bekannt, das Arcustangensmodell hab ich letztes Jahr entwickelt. Die Modelle der nichtlinearen Progression haben folgende Vorteile:
    • Eine Formel für alle(, deren Einkommen über dem steuerfreien Existenzminimum liegt).
    • Durchgängige Vereinbarkeit von Leistungsprinzip und Leistungsfähigkeitsprinzip
    • Grenz-Steuersatz (und damit auch Effektiv-Steuersatz) nähern sich beliebig dicht der
    100%-Marke, womit der Spitzensteuersatz de facto abgeschafft wird, folglich
    • Überflüssigkeit einer speziellen „Reichensteuer“ oder „einmaligen“ Vermögensabgabe
    • (Insbes. können Manager hiernach ohne Neiddebatte beliebig viel Brutto erhalten.)
    • Eingangssteuersatz sinkt auf Null und wird damit ebenfalls de facto abgeschafft.
    • Nur noch ein Parameter im Modell, um den politisch gefeilscht werden muß.
    • … der leicht so festgelegt werden kann, daß die Umstellung aufkommensneutral ist.
    • Normierung auf steuerfreies Existenzminimum, womit die kalte Progression entfällt.
    • Eigentumsgarantie des Art. 14 GG wird nicht angetastet.

    Erläuterungen zu den Vorteilen der Lösung:

    • Da es dann nur noch eine Formel für alle gibt und die Funktionen stetig differenzierbar
    sind, wird - zumindest in Sachen Einkommenssteuer - die politische Spaltung der
    Gesellschaft in Vermögende und Nichtvermögende aufgehoben. Niemand kann mehr
    behaupten, gegenüber anderen Personen oder Gruppen besonders belastet und also
    ungerecht behandelt zu sein. Und leichter vermittelbar sind die Modelle auch noch.
    • Genau genommen wird die unter 1.2.d) genannte Problematik beseitigt, daß jenseits
    der Progressionsgrenze das Leistungsfähigkeitsprinzip geopfert wird, um das
    Leistungsprinzip zu retten. Weil es eben keine Progressionsgrenze mehr gibt. Denn
    weil jede lineare Progression unterhalb der 100%-Marke abgebrochen werden muß,
    um das Leistungsprinzip zu erhalten, kann das Leistungsfähigkeitsprinzip durchgängig
    nur dadurch gleichzeitig umgesetzt werden, daß sich der Grenzsteuersatz
    asymptotisch der 100%-Marke nähert. Was dann infolgedessen natürlich auch für
    den Effektivsteuersatz gilt. Anders geht es eben mathematisch nicht.
    • Wenn der Spitzensteuersatz steigt, haben die „oberen Zehntausend“ weniger Geld zur
    Verfügung, das sie auf der „internationalen Finanzbonanza“ verspekulieren können. In
    Deutschland geben die ihr Geld ja sowieso nur zu einem sehr geringen Teil aus.
    Schädlich für die Binnennachfrage und damit für die deutsche Wirtschaft ist die
    Erhöhung des Spitzensteuersatzes also nicht. Eine Gegenfinanzierung der Senkung des
    Eingangssteuersatzes durch Erhöhung des Spitzensteuersatzes ist also problemlos
    möglich, so daß der Staat damit genau so viel Geld hat wie vorher. Natürlich hat das
    nur Sinn, wenn gleichzeitig die Abgeltungssteuer wieder abgeschafft wird. Die SPD
    forderte ja in ihrem Wahlprogramm auch eben eine solche Erhöhung, und zwar auf
    49%. Das ist aber letztlich zu kurz gesprungen, denn dieser Wert ist willkürlich
    festgelegt. Konsequent ist nur die o.g. asymptotische Annäherung. Gelegentlich
    hört/liest man das Gegenargument, daß eine solche Erhöhung nichts bringe, weil es
    einfach zu wenige „Reiche“ gäbe, so daß also auf diesem Wege insgesamt „zu wenig
    zu holen“ wäre. Das ist aber wenig glaubwürdig, so lange die oberen 10% der
    Steuerpflichtigen jetzt schon 54% des Steueraufkommens erbringen. Da ist noch Luft.
    • Offensichtlich würden die wirtschaftlich Leistungsfähigeren durch ebendiese
    asymptotische Annäherung bereits angemessen belastet, so daß sich Sonderregelungen
    für Groß-„Verdiener“ erübrigen. Es wäre sowieso unmöglich, in dieser
    Beziehung gesellschaftlichen Konsens herzustellen, weil Sonderregelungen zu Lasten
    einer speziellen Gruppe von ebendieser Gruppe natürlich stets abgelehnt werden.
    • Riesige Brutto-Jahresbezüge (in Millionenhöhe) von Managern wären gesellschaftlich
    durchaus akzeptabel, wenn diese Manager davon nur genug Steuern zahlen würden.
    • Wenn der Eingangssteuersatz sinkt, zieht das sofort einen Anstieg der Binnen-Nachfrage
    nach sich, weil speziell die unteren Einkommensgruppen das zusätzliche Geld gleich
    zu ALDI oder LIDL tragen, also überwiegend auch in Deutschland ausgeben. Also ist
    das ganz nebenbei auch noch ein Wirtschaftsförderungsprogramm. Der Effekt ist
    logischerweise am stärksten, wenn der Eingangssteuersatz auf Null sinkt und damit de
    facto abgeschafft wird. Zu klären wäre allerdings die Frage, wie verhindert wird, daß
    diese zusätzliche Nachfrage - die ja auch auf den Wohnungsmarkt wirkt - durch steigende
    Mieten gleich wieder - zumindest teilweise - „aufgefressen“ wird.
    • Da jedes der Modelle (Wurzelmodell, Logarithmenmodell, Arcustangensmodell) nur
    einen einzigen Steuerungsparameter hat, werden mit Einführung eines dieser
    Modelle nicht nur die Führung, sondern auch das Verständnis der einschlägigen
    politischen Diskussionen viel einfacher, die Politikverdrossenheit könnte also ganz
    nebenbei auch noch sinken.
    • Eben weil es nur je einen Parameter gibt, kann das Finanzministerium ziemlich
    schnell feststellen, wie hoch dieser für eine aufkommensneutrale Umstellung sein muß.
    Bund und Länder müssen also keine Angst haben, daß es weniger Geld gibt als vorher.
    • Jedes der Modelle (Wurzelmodell, Logarithmenmodell, Arcustangensmodell) ist
    formelmäßig auf das steuerfreie Existenzminimum normiert. Das bedeutet: Steigt das
    eigene Einkommen genau um die Inflationsrate und der Bundestag erhöht das
    steuerfreie Existenzminimum ebenfalls genau um die Inflationsrate, bleibt der
    Effektivsteuersatz des gesamten Einkommens - und damit inflationsbereinigt auch das
    Einkommen selbst - gleich. Womit die kalte Progression entfällt bzw. de facto
    abgeschafft ist.
    • Umfairteilt wird also nicht das Eigentum selbst, sondern nur dessen Zuwachs. Insofern
    dürfte es also wg. Art. 14 GG kaum verfassungsrechtliche Bedenken geben, wenn die
    Richter das Prinzip erst mal verstanden haben. Zwar soll das BVerfG vor Jahren mal
    geurteilt haben, daß zwischen Bürgeranteil und Steueranteil des Einkommens nur eine
    „etwa hälftige Teilung“ zulässig sei, aber erstens kannten diese das Prinzip der
    nichtlinearen Progression ja damals noch nicht und zweitens kann dieser
    Einschränkung, daß dem Bürger etwa die Hälfte verbleiben müsse, ja leicht dadurch
    entgegengetreten werden, daß damit ja wesentliche Teile des Einkommens dem
    Leistungsfähigkeitsprinzip entzogen wären, was eben diesem Prinzip ja widerspricht.

    J.- M.
  4. Rainer Gestewitz / Rentner
    Rainer Gestewitz / Rentner am 14.07.2017
    Ich möchte einmal,auf das deutsche angeblich,so gute,, Gesundheitswesen ,,aufmerksam machen!
    Es gibt ehemalige Selbstständige,Rentner ,privat versichert !welche den wahsinnig gestiegenen Beitrag,
    nicht mehr zahlen können!da der Beitrag nicht an das heutige Einkommen angepasst wird !wer nicht mehr
    zahlen kann,wird verklagt ! aber kann die priv. ,,Krankenversicherung,, nicht kündigen !bekommt eine
    Not / Schmerzversorgung verpasst ! ( 139,00€ ) und kann verrecken !keine Krebsvorsorge wird bezahlt !
    keine Zahnbehandlung wird bezahlt ! kein Medikament wird bezahlt !
    Es geht hier um die DKV ,angebliche Gesundheitskasse !!! in Wirklichkeit nur eine Sterbekasse !
    Ich schätze mal, es gibt bestimmt mehrere hundert tausend ,welche betroffen sind, und keine Kranken-
    versicherung mehr haben...
  5. Rainer Gestewitz / Rentner
    Rainer Gestewitz / Rentner am 14.07.2017
    zu meinem Kommentar, ich kann Ihnen alles mit Zahlen belegen!

Neuen Kommentar schreiben