25.07.2017

Armutskongress 2017: Das sagt die Presse

Tagesschau 27. Juni 2017

Berliner Zeitung "DGB und Sozialverbände fordern Erhöhung von Hartz-IV-Sätzen"

"So ist es nur folgerichtig, dass sich DGB, Paritätischer Gesamtverband und 14 weitere Sozialverbände derzeit auf einem zweitägigen Armutskongress in Berlin mit Ursachen und Wirkungen der Armut in Deutschland befassen und daraus Forderungen an die politischen Parteien ableiten. (...) Ebenso wichtig wie solche statistischen Angaben ist die daraus ableitbare Zustandsbeschreibung der deutschen Gesellschaft im Jahr 2017, der Chef des Paritätischen Gesamtverbands Rolf Rosenbrock so auf den Punkt bringt: "Das zentrale Versprechen - wer sich anstrengt und bildet, steigt auf - wird immer seltener eingelöst. Deutschland hat die Potenz zu mehr Gerechtigkeit, aber es nutzt diese Potenz nicht.""

Neues Deutschland: „Lähmende Angst vor der Armut Verbände fordern neue, gerechtere Sozialpolitik“

Ein Armutszeugnis für ein reiches Land, meinte Jutta Allmendinger, seit 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Nicht nur, dass Einrichtungen wie die Tafeln überhaupt notwendig seien, sondern auch, dass ehrenamtliche Tätigkeit so wenig wert sei, dass es dafür nicht einmal Sozialversicherungsschutz gebe. Ihre Hauptbotschaft lautete aber, dass das Armutskonzept weiter gefasst werden muss. Mit dem der absoluten Armut - also existenzieller Not - komme man in einem wirtschaftsstarken Staat nicht weit und auch die relative Armut, für die unter 60 Prozent des Medianeinkommens ausschlaggebend sind, bilde soziale Ungleichheit nicht ab.

der Freitag: "Emanzipation für Alle"

Vielen Familien leben heutzutage oft schon an der Armutsgrenze. Manchmal wissen sie es nicht einmal, sondern wundern sich nur, warum sie trotz Vollzeit berufstätigem Vater und Teilzeit arbeitender Mutter mit ihrem Geld kaum über die Runden kommen. Sobald man in Deutschland Kinder bekommt, kann man eigentlich anfangen, sich mit dem Armutsrisiko auseinander zu setzen. Denn Kinder kosten Geld. Und gleichzeitig reduziert sich das Einkommen, selbst mit Elterngeld. Wer sich überwiegend um die Kinder kümmert, wird wirtschaftlich abhängig vom Partner. Das Kindergeld deckt nicht mal die Basiskosten, geschweige denn die für die Kinderbetreuung, die man braucht, um weiterhin seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können. Und Alleinerziehende zahlen (fast) den gleichen Steuersatz wie ein Single, wenn sie nicht ohnehin zum Amt müssen.

Junge Welt "Klare Kante gegen Armut"

"Eröffnet wurde die Tagung am Dienstag von drei Menschen, die unterschiedlich von Armut betroffen sind. Sie stammten aus den Reihen des Verdi-Bundeserwerbslosenausschusses, der AG Vernetzung von Betroffenen der Nationalen Armutskonferenz und dem Forum Kinderarmut Uslar. Alle drei schilderten, teils sehr persönlich, wie sie über Jahre hinweg in prekären Arbeitsverhältnissen lebten. Immer wieder drehten sich die Erfahrungsberichte auch um Erwerbslosigkeit, damit einhergehende Ausgrenzung und Stigmatisierung: Probleme mit den zuständigen Jobcentern, Erfahrungen mit Zwangsverrentung und andauernde finanzielle Schwierigkeiten. Es war den Schilderungen der Betroffenen zu verdanken, dass der Kongress nicht zu einer reinen Expertentagung geriet, sondern Armut anschaulich wurde."

vorwärts: "Chancenungleichheit: Für den DIW-Chef ist die soziale Marktwirtschaft kaputt"

"Eines machte der DIW-Präsident zu Beginn seines Vortrages klar: „Ungleichheit ist an sich nichts Gutes und nichts Schlechtes." Wenn jeder Mensch über das eigene Leben hinsichtlich Zeit oder Bildung frei entscheiden könne, sei das Resultat immer Ungleichheit. Dies führe zu einer ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen. Aber: "Die Frage ist nicht, wer wie viel besitzt, sondern was die Menschen mit ihrem Vermögen machen.""

Deutschlandfunk Kultur: "Intendant Voges über kulturelle Teilhabe"Wir haben einen Auftrag als Theater"

"Der Armutskongress 2017, der heute und morgen in Berlin stattfindet, der hat sich viel vorgenommen. Bei der ersten Veranstaltung im vergangenen Jahr hat man sich viel mit der Analyse beschäftigt: Was bedeutet Armut in einem reichen Land, wo wird Armut systematisch produziert und wer ist von Armut betroffen? In diesem Jahr will man zeigen, wie eine Gesellschaft ohne Armut aussehen kann, und dazu gehört auch kulturelle Teilhabe. Was ein solches Recht auf kulturelle Teilhabe bedeutet, darüber spreche ich jetzt mit Kay Voges, seit 2010 Intendant des Schauspiels in Dortmund."

evangelisch.de: "Soziale Spaltung durch Armut"

Die Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz und Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg, Barbara Eschen, sprach sich für eine Kindergrundsicherung aus. Diese sollten etwa Hartz-IV-Empfänger bedingungslos und ohne Abzüge erhalten. Mit der Kindergrundsicherung müsse auch die soziale Teilhabe von Kindern, also die Teilhabe an Freizeit, Kultur, Medien und Bildung gewährleistet werden. Annelie Buntenbach vom DGB-Bundesvorstand forderte ein Ende der prekären Arbeit. "Gerade Beschäftigungsverhältnisse, die immer wieder als Einstieg oder Übergang in gute Arbeit gepriesen werden, sind oft Sackgassen und dauerhafte Fallen für bezahlte Arbeit zu schlechten Bedingungen", sagte die Gewerkschaftlerin.

 


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