25.02.2016

Armutsbericht 2016: Das sagt die Presse

Am Dienstag haben der Paritätische und seine Mitherausgeber den Armutsbericht 2016 vorgestellt. Von Zustimmung bis Kritik – die Reaktionen sind auch in diesem Jahr sehr vielfältig.

Von: Janina Trebing
Die Herausgeber des Armutsberichts v.l.n.r.: Dr. Wolfram Friedensdorff, Thomas Krüger, Dr. Ulrich Schneider, Werena Rosenke, Günter Burkhardt

Die Herausgeber des Armutsberichts v.l.n.r.: Dr. Wolfram Friedensdorff, Thomas Krüger, Dr. Ulrich Schneider, Werena Rosenke, Günter Burkhardt

Junge Welt

Denjenigen, die den Begriff »Armut« am liebsten so eng fassen würden, dass es sie hierzulande kaum noch gäbe, liefert die »Flüchtlingskrise« neue Munition. Daher werden Bestrebungen zunehmen, bloß noch Not und Elend als »wirkliche« Armut anzuerkennen. Eines Tages könnte als arm höchstens noch gelten, wer nur das hat, was er am Leibe trägt.

Zerrissene Republik / Christoph Butterwegge / 24.02.2016

 

NDR

Armut in Deutschland bedeutet kaum noch absolute Armut, also Hunger, Obdachlosigkeit, Elend. Armut ist relativ. In einem reichen Land wie Deutschland ist auch jemand arm, der in Bangladesch wohlhabend wäre. Zum Beispiel wer zwar nicht verhungert, aber trotzdem zu wenig Geld hat, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Kein Geld für Kino, einen Kneipenabend mit Freunden, den Sportverein.

Politik darf Armut nicht weiter ignorieren / Johannes Zuber /23.02.2016

Deutsche Welle

"Deutschland ist das fünftreichste Land dieser Welt", betont Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlstandverbandes. Seit dem Krisenjahr 2009 sei das Bruttoinlandprodukt hierzulande um über eine halbe Billion Euro gestiegen. Doch gleichzeitig würden immer mehr Menschen von diesem Wohlstand abgekoppelt.

Deutsche Welle / 23.02.2016

Neues Deutschland

Bertolt Brecht hat einst in einem Gedicht einen armen und reichen Mann aufeinandertreffen lassen. Der Arme sagte da: „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Passt dieser Satz auch noch auf die heutige Zeit? (…) Ja. Dabei handelt es sich aber vor allem um relative Armut. Wenn man etwa in Köln an Wohnblocks vorbei fährt, in denen 70 Prozent der dort lebenden Kinder auf Hartz IV angewiesen sind, dann weiß man, dass sie in Armut aufwachsen müssen.

Dauerhafte Armut von Menschen können wir uns nicht leisten / Eric Seils / 24.02.2016

Dem Paritätischen zufolge ist der Bund für diese hausgemachten Probleme »hauptverantwortlich«. So setze Armutsbekämpfung höhere Staatsausgaben voraus und heiße immer auch Umverteilung. »Doch werden wir solange scheitern müssen, solange Bundesregierungen wie die jetzige oder ihre Vorgängerregierung die Erhöhung von Steuern und Abgaben zum Tabu erklären«, so Schneider.

Rentner und Ruhrpott rutschen ab / Simon Poelchau / 24.02.2016

Tagesspiegel

Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren gesamtes Nettoeinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Im Jahr 2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle damit bei 917 Euro im Monat für einen Single, bei einem Paarhaushalt mit zwei kleinen Kindern bei 1926 Euro. Diese Armutsdefinition bezeichnet man als "relative Armut" im Vergleich zur "absoluten Armut". Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Schneider, verteidigte diesen Armutsbegriff. In diesem reichen Deutschland sei man "nicht erst dann arm, wenn man unter Brücken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss". Armut beginne nicht erst mit der Verelendung, sondern sei auch dann gegeben, wenn Menschen aufgrund ihres unzureichenden Einkommens nicht mehr mithalten und teilhaben könnten an ganz normalen Lebensweisen in dieser Gesellschaft.

In Berlin sinkt erstmals seit 2006 das Armutsrisiko / Cordula Eubel / 23.02.2016

WDR 2 Klartext Radio

In Deutschland gibt es Armut. Ja, tatsächlich. Das belegt der Paritätische jedes Jahr wieder in seinem Armutsbericht. Und jedes Jahr kommen die gleichen, plumpen Gegenargumente: Über 917 Euro im Monat würde sich jede Näherin in Bangladesch doch freuen! Und überhaupt: Deutschland gehe es doch gut! Die vermeintlich Armen sollten endlich aufhören zu jammern und sich stattdessen anstrengen!

Armutsbericht: Genug Geld wäre da / 23.03.2016

Spiegel Online

Es ist fahrlässig, den Eindruck zu erwecken, dass es vielen Menschen in Deutschland immer schlechter geht. Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos. Er trägt weitere Unruhe in jene Teile der Bevölkerung, die wegen der Flüchtlingskrise ohnehin schon verunsichert sind, und treibt denjenigen Wähler und Unterstützer zu, die einfache Antworten liefern.Es kann also sein, dass Blues-Sänger Schneider einige neue Fans bekommt, die er sich nicht gewünscht hat. Zum Beispiel AfD-Politiker, NPD-Wirrköpfe und Pegida-Gröhler.

Sozialverband: Der gefährliche Blues vom bitterarmen Deutschland / Guido Kleinhubbert / 23.02.2016

ZDF heute

Armutsbericht 2016: Lawine der Altersarmut droht / 23.02.2016

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ursachen von Langzeitarbeitslosigkeit sind nach Ansicht des Verbands zu geringe Staatsausgaben für Arbeitsförderung und Beschäftigungsprogramme, wie dem Bericht zu entnehmen ist; hinzu kämen Vorbehalte von Arbeitgebern gegen Langzeitarbeitslose. (…) Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund, stufte die Darstellung des Verbandes am Dienstag als „groben Unfug“ ein. Dieser übergehe völlig, dass die 60-Prozent-Schwelle ein relativer Maßstab sei und nicht Armut messe, sondern Ungleichheit. Im Hinblick auf Arbeitslose geht es demzufolge um die Frage, ob der Sozialstaat für sie vor allem das Existenznotwendige gewährleisten soll – oder ob er die Einkommensunterschiede zwischen Arbeitnehmern und Arbeitslosen verringern soll.

Wohlfahrtsverband will kräftige Hartz-IV-Erhöhung / 23.02.2016

Süddeutsche Zeitung

Caritas-Generalsekretär Georg Cremer warnte kürzlich in einem SZ-Interview davor, diese relative Armut mit absoluter Armut gleichzusetzen und so unnötig Abstiegsängste in der Mitte der Gesellschaft zu befeuern. In Deutschland würden nicht Millionen von Menschen im Müll nach Essen suchen oder auf der Straße schlafen. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätische Wohlfahrtsverbands sagt nun: "Man ist in diesem reichen Deutschland nicht erst dann arm, wenn man unter Brücken schlafen oder Pfandflaschen sammeln muss. Armut beginnt nicht erst dann, wenn Menschen verelenden." Armut sei bereits dann gegeben, wenn Menschen aufgrund ihres geringen Einkommens "einfach nicht mehr mithalten können an ganz normalen Lebensweisen dieser Gesellschaft".

Lawine der Altersarmut / Thomas Öchsner / 23.02.2016

Die Welt

Die von den Verbänden verwendete Definition von Armut ist aber umstritten. Ihre Vertreter nutzen das von der EU geprägte Armutskonzept, wonach Menschen dann als relativ arm gelten, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren gesellschaftlichen Einkommens verfügen. Mit persönlicher Not hat das nichts zu tun. In die Armut kann jemand demzufolge selbst dann rutschen, wenn sein Reallohn zunimmt.

Wie arm ist Deutschland? / Daniel Eckert / 24.02.2016

Schwäbische Zeitung

Leider kaschiert aber der großzügig zugrunde gelegte Armutsbegriff des Berichts diese echten Probleme eher, als dass er sie Punkt für Punkt aufzeigt und begründet. Man kann das Ergebnis nämlich auch so lesen: Wenn derzeit in Deutschland tatsächlich mehr als zwölf Millionen Menschen unter der Armutsgrenze leben müssen, dann kann Armut nichts sonderlich Schlimmes sein. Auch wenn es hart klingen mag: Der deutsche Wohlstandsbauch ist ein wenig Pate gestanden bei diesem Armutsbericht.

Leitartikel zum Armutsbericht 2016: Großzügiger Armutsbegriff / 23.02.2016

Handelsblatt

Trotz dieser Kritik halten die Verbände an ihrer umstrittenen Methodik fest. So gebe es etwa keine halbwegs aktuellen regionalen Preisindizes, die zur Berechnung von Kaufkraftunterschieden zwischen Mecklenburg-Vorpommern und München genutzt werden könnten, heißt es in der Studie. Allerdings bemühen sie sich durchaus um eine stärkere Differenzierung als in den Vorjahren und werfen einen genaueren Blick auf die größten Risikogruppen.

Das sind die fünf größten Armutsrisiken / Frank Specht / 23.02.2016

Bild

Das größte Risiko, unter die Armutsgrenze zu fallen, haben demnach u. a. Erwerbslose, Alleinerziehende und Rentner. Die Armutsquote bei Senioren liege mittlerweile bei 15,6Prozent.

Wie viele Deutsche sind wirklich arm? / Dirk Hoeren / 23.02.2016

Mitteldeutsche Zeitung

Erstmals seit 2006 ist der Anteil einkommensarmer Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland im Jahr 2014 etwas kleiner geworden. Nach dem Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands sank die Quote gegenüber 2013 um 0,1 Punkte auf 15,4 Prozent. Diese Entwicklung verlief aber nicht in allen Bundesländern gleichermaßen. Den stärksten Rückgang der Armut verzeichnete Berlin, wo die Quote von 21,4 auf 20 Prozent abnahm.

Mehr Armut in Bayern und NRW/ Stefan Sauer / 23.02.2016

Alarmiert zeigte sich Schneider von der Lage der Rentner. Bei ihnen sei die Armut seit 2005 etwa zehn Mal so stark angewachsen wie beim Rest der Bevölkerung. «Es ist eine Armut, die sich zum Großteil ganz knapp oberhalb des Sozialhilfeniveaus bewegt.» Laut Deutschem Kinderhilfswerk sind sogar 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen arm. Präsident Thomas Krüger forderte einen Aktionsplan gegen Kinderarmut. Schneider trat für eine Stärkung der Renten, der Grundsicherung, für mehr Bildung und steuerliche Umverteilung ein.

Millionen Arme in Deutschland: Quote nur leicht gesunken / 23.03.2016

Hamburger Abendblatt

"Das Alter wird in Hamburg immer stärker zum Armutsrisiko", sagt Joachim Speicher, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hamburg. "Die Zahl der Betroffenen steigt jedes Jahr, unabhängig von der allgemeinen Armutsentwicklung." Trotz sinkender Armutsquoten in allen anderen Bereichen sei hier die Armutsquote auf 13,3 Prozent und somit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Quote der alters­armen Rentner in Hamburg habe sich seit 2006 mehr als verdoppelt.

Altersarmut in Deutschland auf neuem Höchststand / Jan Haarmeyer / 24.02.2016

Stuttgarter Zeitung

Rund 335 000 Menschen sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ohne Wohnung - „so viele wie seit über zehn Jahren nicht mehr“, sagte Vize-Geschäftsführerin Werena Rosenke. Wohnungen fehlten für Wohnungslose, einkommensarme Haushalte und Zuwanderer.

Anteil der Armen leicht gesunken / 23.02.2016

Weser Kurier

Bremen bleibt das Bundesland mit dem höchsten Armutsrisiko in Deutschland. Das geht aus dem Armutsbericht 2016 hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und weitere Sozialverbände am Dienstag in Berlin vorstellten. Danach sank die Armutsquote in Bremen zwar von 24,6 Prozent im Jahre 2013 auf 24,1 Prozent ein Jahr später – damit ging die Quote im kleinsten Bundesland erstmals seit 2009 wieder zurück. Allerdings ist der Abstand zwischen dem Schlusslicht Bremen und dem Land mit der geringsten Armut, Baden-Württemberg (11,4 Prozent), sehr groß.

Bremen hat das höchste Armutsrisiko / Stefan Sauer / 24.02.2016

 

 


Kommentare (1)

  1. Hermann Palmer
    Hermann Palmer am 27.02.2016
    Man muss nicht jeden publizierten Mist kommentieren!
    Wer die Armut in unserem Land nicht sieht, hat keine Augen im Kopf, oder lebt auf der Sonnenseite dieses Schamlandes!
    Armut kann man nicht wegschwätzen! Das ist aber die einzige Kunst der Regierung in unserem nach rechts rutschenden Landes!

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