08.06.2016

Armut junger Menschen verfestigt sich

800.000 Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren sind Hartz-IV-Bezieher und/oder arbeitslos. In einem Großteil der Bundesländer sind 10 Prozent dieser Altersgruppe auf Hartz IV angewiesen, in Berlin sogar 20 Prozent. Und der Bund stielt sich aus der finanziellen Verantwortung für die Integration hilfebedürftiger junger Menschen.

Von: Dr. Wilhelm Adamy (DGB Bundesvorstand)
Fast 750.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren beziehen Hartz IV. Foto: Colourbox.de

Fast 750.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren beziehen Hartz IV. Foto: Colourbox.de

Die Arbeitslosigkeit junger Menschen sinkt, während die Hartz-IV-Bedürftigkeit – trotz guter Konjunktur – steigt. Fast 750.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind hilfebedürftig. Etwa 300.000 junge Menschen sind sogar schon seit vier Jahren auf staatliche Fürsorge angewiesen. Armutslagen verfestigen sich im Hinterhof unserer Wohlstandsgesellschaft. In vielen Bundesländern zählen 10 Prozent dieser Altersgruppe zu den Hartz-IV-Beziehern, in Berlin sind es sogar 20 Prozent aller hier lebenden jungen Menschen.

Ein großer Teil der unter 25-Jährigen geht noch zur Schule, studiert, macht eine Ausbildung, lebt aber bei den Eltern, die selbst hilfebedürftig sind. Andere sind tatsächlich auf Jobsuche und benötigen deshalb staatliche Hilfe. Viele haben keinen Schul- oder Berufsabschluss. Ihre Chancen auf Ausbildung und Beschäftigung sind ungünstig und haben sich in den letzten Jahren noch verschlechtert. Jüngere haben im Hartz-IV-System drei- bis viermal ungünstigere Eingliederungschancen als Gleichaltrige, die von der Arbeitslosenversicherung betreut werden. Aber auch dann, wenn die Integration gelingt, ist diese oftmals instabil und viele fallen nach kurzer Zeit wieder auf Hartz IV zurück. Haben sie einen sozialversicherten Job gefunden, ist schon ein Drittel nach drei Monaten nicht mehr regulär beschäftigt, nach 12 Monaten gilt dies sogar für mehr als die Hälfte.

Ob bei der Berufsausbildung, der Weiterbildung oder bei Ein-Euro-Jobs, ist die Zahl der Fördermaßnahmen bei jungen Hartz-IV-Beziehern zuletzt zurückgegangen. Der Bund stiehlt sich still und heimlich aus der finanziellen Verantwortung für die Integration hilfebedürftiger junger Menschen.

Auch die Sanktionen gegenüber jungen Menschen sind in keinem anderen Rechtsgebiet schärfer als für Erwachsene. Zu weiteren Fakten sowie gewerkschaftlichen Vorschlägen zur besseren Integration junger Hartz-IV-Bezieher lesen Sie hier die DGB-Untersuchung arbeitsmarkt aktuell 04/2016.


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