29.03.2019

Armut bedroht immer mehr Menschen

Deutschland ist ein reiches Land, doch davon haben viele Menschen nichts. Der Reichtum ist ungleich verteilt und Armut und Abstiegsängste finden sich inzwischen in fast allen gesellschaftlichen Schichten.

Von: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland
Eine Rolltreppe, die nach unten fährt ©markusspiske/pixabay

Die Rolltreppe fährt nach unten ©markusspiske/pixabay

Über Armut zu schreiben, ist nicht leicht. Und zwar deshalb, weil es so viele Armutsphänomene gibt, die alle dringend unsere Aufmerksamkeit brauchen. Vielleicht fange ich an mit der skandalösen Tatsache, dass es überhaupt bedürftige Menschen gibt in einem reichen Land wie Deutschland, dessen Unternehmen in Sachen Exportüberschuss von einem Rekord zum nächsten eilen und sehr viel Geld verdienen.

Doch von diesem Geld haben viele Menschen nichts. Der Reichtum ist sehr ungleich verteilt: Die wohlhabendsten zehn Prozent der deutschen Haushalte besitzen zusammen 60 Prozent des Gesamtvermögens, die unteren 20 Prozent haben gar kein Vermögen. Neun Prozent aller Haushalte sind verschuldet.

Es überrascht also nicht, dass es so viele gesellschaftliche Gruppen gibt, die von Armut bedroht oder arm sind: Es gibt die Armut von Kindern, von alleinerziehenden Frauen, von Arbeitnehmern, von Menschen mit Behinderungen, von Älteren, von Arbeitslosen, von Pflegebedürftigen, von Menschen aus „kleinen Verhältnissen“, die es nicht schaffen, sich einen wohlhabenderen Status zu erarbeiten.

Angst vor dem sozialen Abstieg

Armut ist fast selbstverständlicher Teil vieler Schichten und Milieus geworden mit steigender Tendenz. Dazu kommen viele Menschen, die noch nicht arm sind, aber Angst vor sozialem Abstieg haben, vor dem eigenen oder dem ihrer Kinder oder Enkel. Viele haben womöglich das Bild der mit ihnen nach unten fahrenden Rolltreppe vor Augen, wie es der Soziologe Oliver Nachtwey beschreibt.

Um Armut in allen Altersgruppen nachhaltig zu bekämpfen und vorzubeugen, brauchen wir Maßnahmen in verschiedenen Politikfeldern – in der Sozialpolitik, Bildungs-, Familien-, Gesundheits- und Wohnungspolitik. Wir brauchen auch eine sozial gerechte Steuerpolitik.

Höhere Spitzensteuersätze, die Einführung einer Vermögensteuer und einer Finanztransaktionssteuer sowie eine Reform der Erbschaftsteuer müssen auf der Agenda der nächsten Bundesregierung ganz oben stehen. Dadurch sind gezielte Investitionen für den ärmeren Teil der Bevölkerung möglich, etwa für gute Bildung, die Bekämpfung von Armut und Renten, die zum Leben reichen.


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