03.03.2016

Arbeitslosigkeit macht arm

Arbeitslose bilden in Deutschland die größte Gruppe der von Armut betroffenen Menschen. Leistungen aus dem Hartz-IV-System reichen oft nicht zum Leben. Für viele Menschen bleibt das ein Dauerzustand.

Von: Tina Hofmann
Für viele Menschen bleibt Arbeitslosigkeit ein Dauerzustand. Fotolia/Luxorphoto

Für viele Menschen bleibt Arbeitslosigkeit ein Dauerzustand. Fotolia/Luxorphoto

Wer hierzulande arbeitslos wird oder bleibt, ist nicht vor Armut geschützt – sondern im Gegenteil besonders hart von Armut betroffen. Arbeitslose bilden mit einem Anteil von 57,6 Prozent die größte Gruppe der von Armut betroffenen Menschen. Arbeitslosigkeit ist damit eine der wesentlichen Risiken und Ursachen für Armut in Deutschland. Bei der größten Gruppe der Arbeitslosen, nämlich denjenigen, die Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) beziehen, ist die ökonomische Deprivation besonders ausgeprägt. Ihre Armutsquote liegt bei 84 Prozent.

Dass Arbeitslosigkeit mit Armut einhergeht, ist ein hausgemachtes Problem. Ursächlich dafür ist die Ausgestaltung sozialer Sicherung bei Arbeitslosigkeit. Die weit überwiegende Mehrheit – 2/3 der Arbeitslosen – befindet sich im Hartz-System und muss mit Leistungen auskommen, die nicht ausreichen, um Armut vollständig zu überwinden.

Nach Befragungen unter Hartz-IV-Beziehern geben nahezu alle Betroffenen an, dass ihr derzeitiges Leben durch finanziellen und materiellen Mangel belastet ist. Schon die Grundversorgung (Essen, Kleiden, Wohnen) ist nicht sicher abgedeckt. Die stärksten Einschränkungen treten bei all den Aktivitäten auf, die soziale und kulturelle Teilhabe, also ein halbwegs normales Leben in der Gemeinschaft, erlauben würde. In der Praxis bedeutet das für viele z.B. den Verzicht auf einen Computer und Internetzugang, den gelegentlichen Kinobesuch oder  auch nur eine kurze Urlaubsreise mit der Familie.

Für viele im Hartz-IV-System bleibt die Arbeitslosigkeit ein Dauerzustand. Insgesamt sind in Deutschland 1 Mio. Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitsmarktförderung hat sie nach den harten Kürzungen der letzten Jahre längst zur Seite geschoben. Und das, was als Kern der  „aktivierenden Arbeitsmarktpolitik“ noch erkennbar ist, geht an den Menschen wie auch den Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbei, indem einseitig auf eine schnelle Vermittlung in irgendeine (ungelernte) Tätigkeit gesetzt wird.

Mehr als Hälfte der Arbeitslosen kann keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. In der Grundsicherung für Arbeitsuchende waren dies im Jahr 2015 sogar 55,5 Prozent der Arbeitslosen. Allerdings sind nur 16 Prozent aller Arbeitsstellen, die bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet sind, für Helfer- oder Anlerntätigkeiten ausgeschrieben.

Arbeitslose, vor allem aus dem Hartz-IV-System können einen Jobeinstieg, wenn überhaupt, dann meist nur zeitweise und über den Einstieg in eine prekäre Beschäftigung schaffen. Dauerhaft gelingt es den wenigsten, sich aus  der schwierigen Situationen von Arbeitslosigkeit und Armut zu befreien.

Doch diese Gesellschaft darf sich nicht damit abfinden, dass Langzeitarbeitslosigkeit und Armut fortbestehen. Wir brauchen eine Armuts- und Erwerbslosensicherung, die den Schutz menschenwürdiger Existenz genauso sichert wie gesellschaftliche Aufstiegschancen eröffnet.

Lesen Sie hier den gesamten Aufsatz „Arbeitslosigkeit und Armut“.


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