25.04.2017

Armut unter Arbeitslosen

Wer hierzulande arbeitslos wird oder bleibt, ist besonders hart von Armut betroffen. Unerwartete Ausgaben, wie eine defekte Waschmaschine, sind schon längst nicht mehr drin. In dieser wohlhabenden Gesellschaft sollte man sich damit nicht abfinden.

Von: Tina Hofmann
Bild: Photographee.eu/Fotolia.com

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Arbeitslose sind in Deutschland besonders hart von Armut betroffen. Die weit überwiegende Mehrheit – 2/3 der Arbeitslosen – befindet sich im Hartz-System und muss mit Leistungen auskommen, die nicht ausreichen, um Armut vollständig zu überwinden.

Bestimmte Dinge können nicht angeschafft werden, die in unserer Gesellschaft für einen angemessenen Lebensstandards als besonders wichtig einschätzt werden. So fehlt in vielen Familien ein Computer;  selbst ein gelegentlicher Kinoabend oder Besuch im Restaurant ist nicht drin. Unerwartete Ausgaben (z. B. eine defekte Waschmaschine) führen zu sofortigen Krisensituationen.

Langzeitarbeitslosigkeit als Dauerzustand

Die Belastungen nehmen mit der Zeit zu. Trotz der insgesamt guten Situation am deutschen Arbeitsmarkt sind für viel zu viele Menschen Armut und Langzeitarbeitslosigkeit ein quälender Dauerzustand geworden; so befanden sich im Jahresdurchschnitt 2014 rund 780.000 Personen langzeitarbeitslose Langzeitleistungsbeziehende im Rechtskreis SGB II; bezogen also in mindestens 21 der letzten 24 Monate Grundsicherungsleistungen und waren zugleich langzeitarbeitslos.

Besonders lastet auf diesen Menschen die Erfahrung gesellschaftlicher Ausgrenzung. Arbeitslose werden, insbesondere dann, wenn sie von Fürsorgeleistungen abhängig sind, gesellschaftlich abgewertet, weil sie nicht den gängigen Normen der Arbeits- und Leistungsgesellschaft entsprechen.

Man darf sich aus all diesen Gründen nicht damit abfinden, dass Langzeitarbeitslosigkeit und Armut fortbestehen, inmitten einer wohlhabenden Gesellschaft, die für viele Jobchancen bietet. Um das zu erreichen, sind  grundlegende Reformen in der sozialen Sicherung von arbeitslosen Menschen, bei ihrer Förderung und den Bedingungen am Arbeitsmarkt nötig: Dort, wo im Arbeitsmarkt prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne ausufern, müssen die Bedingungen neu gestaltet werden. Für diejenigen Langzeitarbeitslosen, die auf absehbare Zeit keinerlei Beschäftigungschancen haben, muss ein Sozialer Arbeitsmarkt mit geförderten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen geschaffen werden.

Für eine wirkliche Absicherung des soziokulturellen Existenzminimums bei Arbeitslosigkeit müssen endlich die Regelsätze angehoben werden. Gleichzeitig ist die Sicherungskraft der vorgelagerten Arbeitslosenversicherung zu stärken. Im Ergebnis muss eine Armuts- und Erwerbslosensicherung geschaffen werden, die den Leitbegriffen des „Sozialen Geleitschutzes“ und der „Aufstiegshilfe“ folgt und damit den Schutz menschenwürdiger Existenz genauso sichert wie gesellschaftliche Aufstiegschancen eröffnet.

Lesen Sie hier den gesamten Aufsatz "Arbeitslosigkeit und Armut"


Kommentare (4)

  1. Runa
    Runa am 27.04.2017
    Und was bringt einem das Wissen, was eigentlich sämtliche Langzeitarbeitslose wissen? Nichts.
    Die Politik ist nicht gewillt, da etwas zu verändern, weil des einen Armut ist des anderen Reichtum. Die Armut ist gewollt, keiner der Elite will ein selbstbewusstes Land mit starken Bürgern - in Armut halten, heißt, unter Kontrolle zu halten.
    Ich sitze hier heute mit drei Kids und bange und hoffe, dass unser Hartz heute auf das Konto kommt, weil ich meinen Nachfolgeantrag zwar pünktlich abgegeben habe, aber noch keinen Bescheid erhielt. Seit einer Woche versuche ich da was heruaszufinden. Heute ist Donnerstag, morgen - am Freitag - ist nie einer auf der Arge zu erreichen. Wenn die meinen Antrag noch nicht bearbeitet hat, heißt das von Freitag bis Montag, hungern. Ja, so sieht es aus im weltoffenen Deutschland.
  2. Tina
    Tina am 05.06.2017
    Ich stelle in meiner Arbeit mit Menschen im ALGII Bezug immer wieder fest, dass im Schnitt 100,00 - 150,00 Euro im Monat fehlen um einigermaßen über die Runden zu kommen. Da darf dann aber tatsächlich nichts kaputt gehen oder die Kinder einen besonderen Bedarf anmelden. Dies und die wie oben beschriebene permanente Unsicherheit ob das Geld pünktlich kommt, ob man alle Anträge abgegeben hat oder willkürlich das Geld gekürzt wird, führt bei vielen Menschen zu merklichen Stresssyndromen bis hin zu depressiven Verstimmungen. Soziale Arbeit dient in vielen Fällen nur dazu, die Auswirkungen dieses Systems abzufedern, um soziale Spannungen zu verhindern. Realität ist, dass es nicht genügend "Sozialversicherungspflichtige" Arbeitsplätze gibt und wir - also die Gesellschaft - über andere Formen des Konsums, des Wohnen, der Beschaffung von Tauschmitteln (z.Bsp. Geld) und des Umverteilen nachdenken müssen. anstatt der Utopie einer Vollbeschäftigung - als einziges Mittel der Geldbeschaffung und Teilhabe an der Gesellschaft - nachzuhängen, die es ohnehin nie gab.
  3. Anni
    Anni am 07.06.2017
    Ich bin Modedesignerin - und ehemalige Redakteurin, doch weil ich zu gut bin - zu extravagant bekomme ich keinen Arbeitsplatz - weil ich zu sozial bin in Politik - werde ich nicht erst genommen bist zur Obdachlosenbank ignoriert - ignoriert weil zu gut - Sozialer Zerfall. In einem Kapitalstaat - Kaitalismus sind nach meiner recherchierten Wahrnehmung der Obdachlose und Arbeitslose ein Abfallprodukt, dem man nur Abfall gibt, nicht mal in Politik eine Zeiteintaktung. Den Teppich bekommt der Kapitalist, ob ein Arbeitsloser an Armut stirbt 11000 an der Zahl ist der Gesellschaft egal. Man verdammt den Redakteur der die Augen öffnen will und Deniz Yücel -ein Seelenverbündeter den Geiselt man im System, in der Kritik nicht erlaubt ist, der Abschaum - der Arme - das Abfallprodukt - darf keine Kritik üben. Keiner kümmert sich wirklich. Nicht einer - den mit Abfall redet man nicht. Wir hängen doch nicht mit Krüppeln rum.... So finde ich es war. Es macht mich Suizidal - dreckig - und hilflos. Die Gegeiselte um System wo der Kritische die Armutsbank bekommt - die Hochbegabte das Essen von der Tafel - www.henkeltasse123.jimdo.com, www.zauberfarben.jimdo.com. Kein Intergrationsprojekt - kein - integrierte mich mit meinem Design ein - auch nicht in Interaktion eine Firma zu gründen. Ich kann nicht schlafen,. Zwangsräumung - boshafte Ignoration aller Politketagen. Ich zeichne demnächst im Atlier für Arme, bevor ich mich - in vollster Melancholie nicht entscheide mich zu suizidieren.
  4. anno2017
    anno2017 am 15.09.2017
    http://www.armutskongress.de sollte auf alle Fälle die Zuschauer im Abendprogramm mindestens 5 mal pro Abend 7 Tage die Woche 365 Tage im Jahr aufmerksam machen das es in Deutschland ein Armutsproblem gibt. Ausländerintegrationswerbung hat es doch auch geschafft, nicht wahr?

    klingt gut, oder?

    Aber wie vorher schon gesagt wurde: Armut ist Kontrolle
    - und absolute Armut ist absolute Kontrolle -

    So, es wird sich nichts ändern und es wird noch schlimmer - aber man kann ja ab-und-zu drüber nachsinnen und träumen in einer gerechteren Welt zu leben. Das tut manchmal ganz gut für ne Stunde aber dann holt die hässliche Realität einen wieder ein und schmettert einen die Tatsachen gegen den Kopf wie zum Beispiel kaputte Sachen im Haushalt die nicht erneuerbar sind weil man eventuell eine Jobcenter Sanktion bekommen hat etc, etc.... dann kann man einmal pro Woche sich durch die Tafel kämpfen wenn noch genug Nahrungsmittel vorhanden sind oder man teilt sich ne dose Milch und kleinen Karton Weintrauben mit den Kids bis nächste Woche oder man geht klauenderweise von Supermarkt zu Supermarkt mit der Hoffnung nicht erwischt zu werden.

    Nun, Luxuswohhnungen unter dem Deckmantel sozialer Wohnungsbau helfen da ja auch nicht.
    Sparkassen Gebühren unter Hartz4 noch weniger.
    Lebensmittelpreiserhöhungen in BilligMärkten noch weniger.
    Strompreiserhöhungen jedes Jahr schon gar nicht.
    Minijobs wenn man sie denn erstmal überhaupt bekommt sind rar wie Goldstaub da ja Studenten erstmal versorgt werden müssen und jene ja auch noch ansehnlicher aussehen als irgendwelche lumpigen Hartz 4ler, nicht wahr?

    Also, wohin mit dem Zeug?
    Wehr um Himmelswillen ist denn ausser Sprüche wirklich in der Lage etwas zu tun das es besser wird?
    NIEMAND

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