Die Armutsberichte von 1989 bis heute!

Am 11. Dezember 1989 veröffentlichte der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen ersten Armutsbericht, unter dem Titel …“wessen wir uns schämen müssen in einem reichen Land…“. Damals hatte der Verband 3,1 Millionen Sozialhilfebezieher als arm bezeichnet, was von der Bundesregierung vehement zurückgewiesen wurde. In Deutschland gebe es kein Armutsproblem, die Sozialhilfe verhindere das. Deutschland wurde mit Ländern verglichen, denen es viel schlechter geht und es wurde dem Paritätischen nahe gelegt, stolz zu sein auf unseren Sozialstaat.

Doch ließ sich der Verband nicht davon abbringen, über Armut in Deutschland zu sprechen und aufzuklären. Es folgten Armutsberichte in den Jahren 1994 und 2000, zusammen mit dem DGB und der Hans-Böckler-Stiftung. 2009 legte der Verband seinen Armutsatlas vor, die erste Aufbereitung der Daten des Statistischen Bundesamtes für Regionen. Und seit 2011 erscheinen die Berichte jährlich. Die Kritik an den Berichten und der Widerstand an dem Thema Armut in Deutschland nahmen dabei über die Jahre zu.

„Bezeichnend an dieser Auseinandersetzung: Je reicher Deutschland im Laufe der Jahre wurde, je weiter allerdings auch die Einkommens- und Vermögensschere sich öffnete, desto rigoroser wurde Armut geleugnet, desto aggressiver wurden jene attackiert, die die schlechte Botschaft von der Armut in diesem reichen Deutschland überbrachten, und desto apodiktischer wurde ihnen praktisch das Recht abgesprochen, jenseits von Obdachlosigkeit oder anderen extremen Erscheinungsformen der Not überhaupt von Armut zu sprechen.“ (Ulrich Schneider, Kampf um die Armut. Von echten Nöten und neoliberalen Mythen, 2015)

Lesen Sie hier die Armutsberichte des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in absteigender Reihenfolge von 1989 bis heute!


Armutsbericht 2016 - Zeit zu Handeln.

Ein Verharren der Armutsquote in Deutschland auf hohem Niveau beklagte der Paritätische Wohlfahrtsverband im Armutsbericht 2016, der erstmals in erweiterter Form und unter Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen erschien. Während in neun Bundesländern die Armutsquoten 2014 gesunken seien, belegt der Bericht einen Anstieg der Armut in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hauptrisikogruppen seien Alleinerziehende und Erwerbslose sowie Rentnerinnen und Rentner, deren Armutsquote rasant gestiegen sei und erstmals über dem Durchschnitt liege. Die Herausgeber sehen daher auch keinerlei Anlass zur Entwarnung und fordern von der Bundesregierung einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um dringend notwendige Maßnahmen zur Armutsbekämpfung auf den Weg zu bringen.

Armutsbericht 2015 "Die zerklüftete Republik"

Der Armutsbericht 2014 des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erschien statt im Dezember erst im Februar 2015, doch aus gutem Grund. Durch die Umstellung und Revision der Daten des Statistischen Bundesamtes auf der Basis des Zensus 2011 war eine Veröffentlichung wie gewohnt im Dezember nicht möglich. Der Armutsbericht 2015 zeigt, dass die Armut in Deutschland nicht nur ein neuerliches Rekordhoch erreichte, auch wurde deutlich, dass Deutschland regional regelrecht auseinander fällt. Zwischen dem Bodensee und Bremerhaven, zwischen dem Ruhrgebiet und dem Schwarzwald ist Deutschland, was seinen Wohlstand und seine Armut anbelangt, mittlerweile ein tief zerklüftetes Land.

Erstmalig beleuchtete der Paritätische in seinem Bericht auch besondere Risikogruppen. Das höchste Armutsrisiko von allen Haushalten zeigten danach mit 43 Prozent Alleinerziehende. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die hohen Armutszuwächsen bei den Rentnerinnen und Rentnern gelegt: Es gibt keine andere Gruppe in Deutschland, deren Armut in den letzten Jahren vergleichbar stark gestiegen wäre.

Armutsbericht 2013 "Zwischen Wohlstand und Verarmung: Deutschland vor der Zerreißprobe"

Die Armut sei gestoppt, die Einkommensschere schließe sich sogar wieder – so die Bundesregierung im Wahljahr 2013. Mit dem 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im März 2013 glaubte man, den Nachweis dafür erbracht zu haben. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall: Mit einer Armutsquote von 15,2 Prozent war 2012 ein neuerliches Rekordhoch erreicht – das zeigt der Armutsbericht 2013 "Zwischen Wohlstand und Verarmung: Deutschland vor der Zerreißprobe"

Armutsbericht Dezember 2012 "Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt"

In dem Armutsbericht 2012, "Positive Trends gestoppt, negative Trends beschleunigt", wurden erstmalig eigene Armutsquoten für das Ruhrgebiet ermittelt. In der mehrjährigen Betrachtung zeigt sich in einzelnen Ruhrgebietsstädten eine kaum zu überbietende Dramatik. So stieg seit 2005 die Armutsgefährdungsquote in Dortmund um 30 Prozent, in Duisburg um 45 Prozent und in Essen um 57 Prozent.

Armutsbericht Februar 2012 „Arme Kinder – arme Eltern. Zahlen, Daten, Fakten“

Der Armutsbericht vom Februar 2012 vergleicht Kinderarmut bei Paarhaushalten mit Kindern und alleinerziehenden Haushalten. Alleinerziehend zu sein ist das Armutsrisiko schlechthin: dies erklärt sich aus der unterschiedlichen Einkommenssituation von Paarhaushalten mit Kindern und Haushalten von Alleinerziehenden. Allerdings gelingt es beiden Familienformen nicht, sich schnell aus der Hartz IV-Abhängigkeit zu befreien. Dabei macht es wenig aus, ob sie in wirtschaftsstarken oder wirtschaftsschwachen Bundesländern leben. Die unterschiedlichen Kinder- und Familien-Armuten werden kartographisch und in Graphiken dargestellt.

Armutsbericht 2011 "Von Verhärtungen und neuen Trends"

Im Mai 2009 veröffentlichte der Paritätische Wohlfahrtsverband zum ersten Mal einen Armutsatlas für Regionen in Deutschland. Da der Paritätische bei dieser ersten regionalen Betrachtung lediglich auf drei Erhebungswellen – nämlich 2005 bis 2007 – zurückgreifen konnten, war es nicht möglich, Entwicklungen nachzuzeichnen oder gar zu analysieren. In der vorliegenden Veröffentlichung wurden die Erkenntnisse des Armutsatlas mit den seitdem regelmäßig veröffentlichten regionalen Armutsquoten der statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamtes zusammengeführt und mit den Trends im Hartz IV-Bezug seit 2005 verglichen.

Armutsatlas 2009 "Unter unseren Verhältnissen..."

Im Mai 2009 legte der Paritätische Wohlfahrtsverband zum ersten Mal einen Armutsatlas für Regionen in Deutschland vor. Unter dem Titel "Unter unseren Verhältnissen..." wird deutlich gezeigt, dass Deutschland nicht nur sozial, sondern auch regional ein tief zerrissenes Land ist.

Armutsbericht 1989 "...wessen wir uns schämen müssen in einem reichen Land..."

Am 11. Dezember 1989 veröffentlichte der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen ersten Armutsbericht, unter dem Titel "...wessen wir uns schämen müssen in einem reichen Land...".